WeTown Bernau5. Oktober 2022 | 17:40 | Lesedauer ca. 11 min | Autor: GoMoPa-Redakteur Peter Stracke

WeTown Bernau: Wohnungen von Gerald Breschke (Nordland GmbH) in Gift-Kaserne


WeTown Bernau. So soll der neue Stadt-Teil von Bernau heißen, der auf einem bislang bewachten und Betreten-verboten-Gelände einer verlassenen stark verseuchten Russen-Kaserne an der Schwanebecker Chaussee im Bernauer Ortsteil Ladeburg (Foto © wikimapia.org Padonaka39) errichtet werden soll. Selbst der Architekt gruselt sich…

Hitlers Kleiderkammer – das Heeresbekleidungshauptamt und spätere Russen-Panzer-Kaserne an der Schwanebecker Chaussee im Bernauer Ortsteil Ladeburg © wikimapia.org Padonaka39

30 Jahre lang wagte sich kein Investor an die Konversionsfläche – die Hinterlassenschaft des 68. Panzerregiments der Roten Armee – vor den Toren Bernaus im brandenburgischen Barnim.

Gerald Breschke, Gesellschafter und Geschäftsführer der Nordland GmbH aus Langenhagen bei Hannover © Unternehmensbroschüre Nordland GmbH

Wohl in ihrer Not gaben die Stadtväter der alten Hussitenstadt nun Anfang September 2022 ausgerechnet dem problembehafteten Kasernen-Immobilienentwickler Gerald Breschke (62, Foto © Unternehmensbroschüre) nebst Gregor Breschke (33) mit seiner Nordland GmbH aus Langenhagen bei Hannover in Niedersachsen den Zuschlag, ab 2023 auf dem schwerbelasteten Kasernengelände, in dem die Russen fast fünf Jahrzehnte hausten, eine Gartenstadt mit 2.000 Wohnungen zu errichten. Das Land Brandenburg muss noch zustimmen. Danach kann Gerald Breschke seine Bauanträge stellen.

WeTown Bernau: Selbst der beauftragte Berliner Architekt gruselt sich

Der italienische Architekt Christoph Kohl aus Berlin © Christoph Kohl Gastbeitrag Titelbild HABONA REPORT am 30. März 2021

Architekt Christoph Kohl (Foto © Christoph Kohl Gastbeitrag Titelbild HABONA REPORT am 30. März 2021) von cksa christoph kohl stadtplaner architekten, der aus der Südtiroler Landeshauptstadt Bozen in Italien stammt, in Venedig seinen Abschluss gemacht hat und seit 1989 in Berlin lebt, sagte auf Anfrage vor einem Jahr im Berliner Tagesspiegel zum Reiz der Aufgabe: „Kasernen sind per se keine Quartiere – mitunter haben sie auch etwas Bedrohliches. Das mag für Lost Places gut taugen, aber um dort zuhause sein zu wollen, gilt es neue Heimaten zu schaffen.“

Auffallend ist auch, dass Investor Gerald Breschke im Jahr 2016, als er sich das Gelände von der Brandenburgische Boden Gesellschaft für Grundstücksverwaltung und -Verwertung (Wünsdorf) gesichert hatte, in einem Verkaufsflyer für das Heeresbekleidungs-Nebenamt im Schönfelder Weg gleich neben dem Hauptamt mit einem Kaufpreis ab 2.400 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche warb. Das waren 1.100 Euro weniger als für neue Wohnungen im zehn Kilometer entfernten Berlin. „Investoren profitieren von einem Preisniveau, das der Markt so nicht bereithält. Investoren kaufen zu unschlagbar günstigen Preisen“, hieß es in dem Verkaufsflyer.

Ja, warum wohl?

Wenn schon ein Linken-Bürgermeister auf Sozialwohnungen verzichtet

Bernaus Bürgermeister Andre Stahl auf dem Gelände des ehemaligen Heeresbekleidungsamtes © Bürgermeister Andre Stahl November 2016

Noch auffallender ist es, dass ein Linkenpolitiker auf Sozialwohnungen verzichtet.

Bernaus Bürgermeister Rechtsanwalt Andre Stahl (Die Linke, Foto) sagte dem Sender rbb/24 vom 28. September 2022: “Wegen der hohen Kosten durch die Altlasten und durch den Denkmalschutz konnten wir uns mit der Forderung nach Sozialwohnungen nicht durchsetzen.“

Altlasten im Untergrund

   Heeresbekleidungshauptamt an der Schwanebecker Chaussee im Bernauer Ortsteil Ladeburg © wikimapia.org Ocumee am 9. Oktober 2021

“Wir sind froh, dass sich letztlich ein Investor für diese schwierige Immobilie (Foto vom 9. Oktober 2021 © wikimapia.org Ocumee) gefunden hat und jetzt alles seinen Weg finden kann” – der Bürgermeister von Bernau bei Berlin, André Stahl, wirkt erleichtert, als er im Gespräch mit rbb|24 über den aktuellen Entwicklungsstand beim großen Bauprojekt “Gartenstadt” berichtet. “Schwierig” ist das Areal, weil es “mutmaßlich mit Altlasten durchsetzt ist, die Sowjets hatten hier eine Panzerdivision”, erklärt Stahl. Im Untergrund des Geländes Tanks, Abfälle und militärische Hinterlassenschaften. Zudem müssen die vier denkmalgeschützten Gebäude umfangreich saniert werden.

Das Heeresbekleidungsamt wurde ab 1939 errichtet, hier wurden Uniformen der Wehrmacht hergestellt und gelagert. Nach dem Krieg bezog die Sowjetarmee das Gelände, bis 1991. Nach dem Abzug der sowjetischen Streitkräfte 1991 vom Gebiet der ehemaligen DDR verfiel das als Sperrgebiet ausgezeichnete und bewachte Gelände.

Auf einer Fläche von 12.000 Quadratmetern im südlichen Teil liegen Tanks und Betonfundamente zwei bis drei Meter tief in der Erde, über „Mineralöle und auch Kampfmittel“ berichtete die Märkische Oderzeitung bereits im März 2020.

Im nordwestlichen Bereich seien auf einer Fläche von 9.000 Quadratmetern Müll und Abfall vergraben, zum Teil Hinterlassenschaften der sowjetischen Armee, die den Komplex nach dem Krieg als Nachschub- und Versorgungsdepot nutzte.

Wasserwerk musste geschlossen werden

Neben der Lagerung von Uniformen und Zubehör betrieb die damalige sowjetische Armee (später GSSD) eine Näherei und eine chemische Reinigung. 1965 kam es in der Reinigung zu einer Kontamination von Boden und Grundwasser. Der Schaden war so groß, dass das nahe Wasserwerk geschlossen werden musste. Eine Versuchsanlage soll die Basis für ein Sanierungskonzept liefern.

Die Bernauer Stadtverordnetenversammlung hat Anfang September 2022 das Bebauungsplanverfahren beschlossen und als solches formal beendet. Jetzt muss noch der Flächennutzungsplan vom Land Brandenburg genehmigt werden, “eine Formalie”, wie Stahl betont. Sobald anschließend der Bebauungsplan im Amtsblatt veröffentlicht worden ist, erlangt er Rechtskraft.

Die Bauarbeiten werden nicht vor dem nächsten Sommer 2023 beginnen. “Vor Mitte oder Ende 2023 wird es dort nicht losgehen, denn sobald der Bebauungsplan veröffentlich worden ist, müssen ja erst noch die jeweiligen Bauanträge gestellt und genehmigt werden”, sagte Nordland-Geschäftsführer und Inhaber Gerald Breschke auf rbb|24-Nachfrage. Die ersten Wohnungen könnten dann bereits im Jahr 2024 bezugsfertig sein. Das Gesamtprojekt werde aber sicher nicht vor 2033 abgeschlossen sein, rechnen sowohl Breschke als auch Stahl vor.

Regeneratives Quartier mit “bezahlbarem Wohnraum” und unterirdischer Wasserstofftankstelle

“Die Nordland GmbH möchte allein 58 Millionen Euro in die öffentliche Infrastruktur investieren und die Kitas und Schule der Stadt überlassen. Dafür sind wir sehr dankbar”, betont wiederum Bürgermeister Stahl. Das niedersächsische Unternehmen ist spezialisiert auf die Sanierung und Umgestaltung von Kasernengeländen. Vor zwei Jahren wurde eine Gesamtinvestitionssumme von bis zu 850 Millionen Euro veranschlagt, wie Stahl erklärt. Ob es dabeibleibt, erscheint angesichts steigender Baupreise fraglich.

Entstehen sollen neben den vier denkmalgeschützten Originalgebäuden 81 Neubauten, allesamt mit begrünten Dächern. Versprochen wird in einem Nordland-Werbevideo “bezahlbarer Wohnraum für kleine und große Haushalte”. Hinzu kommen sieben Gewerbegebäude. Die “Gartenstadt” – oder “Wetown Bernau”, wie sie vom Investor bezeichnet wird – solle zukunftsweisend in Sachen Ökologie und Energieeffizienz sein, kündigt der Investor an. Für Autos, die allesamt unterirdisch parken sollen, seien auch elektrische Ladestationen sowie eine Wasserstofftankstelle vorgesehen. Alle Gebäude würden im Niedrigenergiestandard gebaut: KFW 40 plus bei den Neubauten, KFW 70 bei den Denkmälern.

Erwarteter Verkehrskollaps



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