Nach nur fünf Wochen im Amt kündigte der neue Vorstand der Lichtmiete AG aus Oldenburg in Niedersachsen, der Stuttgarter Unternehmens-Berater Dr. Gert Sieger (69), diese Woche im Handelsblatt seinen Rücktritt an.

 

Dr. Sieger begründete seinen Ausstieg mit den Worten:

Das hier ist eine hoch toxische Umgebung, sozusagen das geistige Tschernobyl Deutschlands.

Deshalb ziehe er sich mit Bedauern zurück.

Anfang März 2022 hatte der promovierte Volkswirt und Firmenstrukturierer Dr. Sieger seinen Skiurlaub in den Alpen unterbrochen, war ins 800 Kilometer entfernte Oldenburg geeilt, um das vielleicht schwierigste Amt seiner Karriere anzutreten. Manche sagen sogar: ein Himmelfahrtskommando. Dr. Sieger war die Schlüsselfigur in einem Plan, die schlingernde Deutsche Lichtmiete AG zu retten.

Gerufen hatte ihn Firmengründer Alexander Hahn (46) aus Oldenburg, der ihn zu seinem Nachfolger machte. Dessen Lage war verzwickt. Gegen Hahn ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Betrugsvorwürfen, wie GoMoPa berichtete.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt im Umfeld der Deutschen Lichtmiete inzwischen gegen acht Personen, es geht um Verdachtsfälle wegen Betrugs, Insolvenzverschleppung und Geldwäsche. Um dem insolventen Unternehmen eine Perspektive zu bieten, soll die Investmentbank Rotschild einen Käufer suchen. Bislang – so fürchten die Investoren – könnten den Insolvenzforderungen von rund 200 Millionen Euro lediglich Werte im Volumen von 20 bis 25 Millionen Euro gegenüberstehen.

Hahn bestreitet die Vorwürfe bis heute.

Trotzdem hatte die Behörde die Gelder der Gruppe eingefroren, sodass Hahn Ende 2021 Insolvenz anmelden musste. Am 22. Februar 2022 nahm Hahn die Insolvenzanmeldung wieder zurück. Am 8. März 2022 stellten einige Investoren und Gläubiger ihrerseits einen erneuten Insolvenzantrag gegen die Lichtmiete – und auch der neue Vorstand Dr. Sieger wurde offenbar aktiv (Amtsgericht Odenburg, Aktenzeichen 69 IN 7/22).

Der Allein-Vorstand soll sich bei Gericht darum bemüht haben, eine Insolvenz in Eigenverwaltung umsetzen zu können. Das Gericht bestellte aber stattdessen einen starken Insolvenzverwalter. Ein solcher erhält bereits im vorläufigen Insolvenzverfahren die volle Verfügung etwa über Konten und Waren. Das Management des Unternehmens rückt unter einem starken Verwalter an die Seitenlinie. Der vorläufige Insolvenzverwalter Rüdiger Weiß aus Hamburg bemüht sich, das Unternehmen zu verkaufen.

Bei seinem Amtsantritt am 2. März 2022 hatte Dr. Gert Sieger noch hoffnungsvoll erklärt:

Ich freue mich auf die neue Aufgabe und sehe die Herausforderung, die Deutsche Lichtmiete schnellstens zurück in die Handlungsfähigkeit zu bringen.

Das Unternehmen ist stark beschädigt und nun gilt es, den Schaden zu begrenzen und vor allem die Weiterführung des Unternehmens zu sichern. Ich habe die Deutsche Lichtmiete als ein sehr dynamisches Unternehmen kennengelernt, welches auf seinem Erfolgskurs torpediert wurde.

Wieso und warum dies in der Art passierte, gilt es nun aufzuklären. Ich kann mir vorstellen, dass das Geschäftsmodell der Deutschen Lichtmiete sogar in einigen Jahren an die Börse geführt werden kann.

Aber bis dahin ist noch viel zu tun.

Der Wutbrief ans niedersächsische Justizministerium: