Wie der französische Enthüllungsjournalist Victor Castanet vor kurzem im Fernsehen sagte, habe ihm der Pflegeheimbetreiber Orpea SAS die Summe von 15 Millionen Euro angeboten, um seine Nachforschungen einzustellen.

 

Castanet lehnte ab und brachte Ende Januar 2022 seine 400 Seiten starke Miss-Stands-Dokumentation über den Konzern heraus. Titel: “Die Totengräber”.

Mitten in seiner deutschen Expansion für Luxus-Pflegeheime für eine betuchte Kundschaft geriet damit der börsennotierte französische Altenheim- und Pflegeheimbetreiber Orpea SAS mit Hauptsitz in Puteaux nahe Paris und Deutschlandsitz in Frankfurt am Main Ende Januar 2022 in einen handfesten Luxus-Pflegeheimskandal.

Trotz höchster Preise seien Pflegebedüftige jahrelang regelrecht misshandelt worden. Der Konzern-Boss musste gehen. Aber Castanet hat bei seinen dreijährigen Recherchen ein schreckliches “Orpea-System” ausgemacht.

Für das Unternehmen steht viel auf dem Spiel, weit über Frankreich hinaus, vor allem auch in Deutschland.

 

Nur ein Teil des Jahresumsatzes von zuletzt rund 4 Milliarden Euro und den knapp 70.000 Mitarbeitern entfällt auf den französischen Heimatmarkt. Zwei Drittel der Aktivitäten finden hingegen im Ausland statt. Orpea zählt rund 1.100 Pflegeeinrichtungen in 23 Ländern, in Deutschland ist es mit 143 Heimen viertgrößter Betreiber.

In Hamburg bietet Orpea den betreuten Bewohnern Luxus pur.

 

In der Elbschloss Residenz an der Hamburger Elbchaussee erwartet betreute Apartment-Bewohner das erste seniorengerechte Wellness Spa in Deutschland. Miete für ein 2-Zimmer-Apartment mit Dusche und Küche (möbliert wie im Hotel, aber mit Pflegebett): 65 Quadratmeter für 4.600 Euro Miete im Monat.

Vor drei Jahren stieg Dr. Erik Hamann als Geschäftsführer der Frankfurter Orpea Deutschland GmbH in die Luxus-Pflege ein. Dafür gründete er mit dem hessischen Pflegeheim-Unternehmer Nikolaos Tavridis aus Friedrichsdorf ein Joint-Venture (75 Prozent Orpea, 25 Prozent Tavridis), zu dem zwei Elbschloss Residenzen in Hamburg Nienstedten gehören.

Dr. Haman erklärte damals in einer Pressemitteilung:

Die Transaktion und das Joint-Venture sind Teil unserer Strategie, das Angebot in Deutschland mittel- und langfristig deutlich hochwertiger zu entwickeln.

Das werden wir vor allem durch den Bau von neuen Häusern tun, die sich klar von denen anderer Betreiber absetzen.

Generell sind Premium-Pflegeheime in Deutschland noch sehr selten. Obwohl der Bedarf an Häusern mit besonders hohen Standards vor allem in den größeren Städten stark zunimmt, fallen zurzeit gerade einmal um die 20 Häuser in diese Kategorie

Ein Orpea-Luxus-Apartment-Haus entsteht gerade in Dortmund am Phoenixsee.

Am 2. Juli 2021 feierte Orpea Richtfest in Dortmund. Mit der Residenz Phoenixsee entstehen 99 Wohnungen für Seniorinnen und Senioren sowie 80 Pflegeplätze in einem Apartmenthaus und einem 12 Meter hohen Turm am Hafen.

Noch im Sommer 2021 hatte Dr. Hamann gegenüber dem Berliner Tagesspiegel erklärt:

Bei Orpea zu arbeiten, da lecken sich die Leute die Finger nach.

Der Orpea-Deutschlandboss betonte auch, dass die Gelder vom Pariser Mutterkonzern Orpea SAS in Millionenhöhe zum Aufbau neuer Einrichtungen fließen würden, nicht umgekehrt.

Aber gerade im Luxus-Segment wurde der Mutterkonzern in Frankreich von einem handfesten Skandal erschüttert.

Der Journalist Victor Castanet, dessen Großvater in einem Luxus-Senioren-Pflegeheim gelebt hat, entdeckte bei seinen Befragungen von 250 Zeugen 3 Jahre lang unhaltbare Zustände und veröffentlichte diese im Januar 2022 in seinem Buch “Die Totengräber.” Zudem konnte Castanet interne Mails und Berichte studieren, da er neben Angehörigen von Heimbewohnern auch ehemalige Orpea-Führungskräfte hinter sich hat, darunter eine Anwältin aus der Personalabteilung des Konzerns.

Die Vorwürfe: