Auch wenn der Lack ab ist und die Fassade bröckelt, versuchen einige Finanzprodukte-Anieter, weiter mit dem Glanz vergangener Tage zu punkten.

Etwa mit einem längst abgelaufenen Gütesiegel. Doch die Werbung wird zur Schummelei, wenn man sie nicht aktualisiert.

Noch heute hausiert beispielweise die Frankfurter Ölfirma Oil & Gas Invest AG in der Bundeszeitung mit einer Firmenmitteilung, wonach sie “bei der Überprüfung durch den unabhängigen Unternehmensmonitor Scoredex® gute Ergebnisse erzielt” hat, obwohl die OGI AG seit 31. August 2018 offiziell pleite ist (Vorläufiges Insolvenzverfahren am AG Frankfurt am Main, Aktenzeichen: 810 IN 1009/18 O).

 

Lang ist es her: Im Jahr 2014 erzielte die OGI AG tatsächlich gute Noten, inzwischen sieht das ganz anders aus © Ausriss aus Bundesdeutsche-Zeitung.deLang ist es her: Im Jahr 2014 erzielte die OGI AG tatsächlich gute Noten, inzwischen sieht das ganz ... mehrLang ist es her: Im Jahr 2014 erzielte die OGI AG tatsächlich gute Noten, inzwischen sieht das ganz anders aus © Ausriss aus Bundesdeutsche-Zeitung.de

Die guten Noten stammen aus dem Jahr 2014, als der damalige Vorstand und Mehrheitsaktionär Jürgen Wagentrotz (75) aus Kitzbühel mit seinem damaligen Vermögen von 60 Millionen Euro für Anlegerdarlehen einstand, die er dann 2015 auch in Höhe von 4,5 Millionen Euro vollständig zurückzahlte.

Danach sammelte die OGI AG allerdings echte Nachrangdarlehen mit qualifiziertem Rangrücktritt ein, die bekanntlich für Anleger keine Sicherheiten beeinhalten.

“Obwohl die Oil & Gas Invest AG (ein) solides Geschäftskonzept aufwies”, ist die Insolvenz, in die das Unternehmen schlittert, “das Ende einer über Jahre andauernden Auseinandersetzung in der Führungsetage des Unternehmens, die das Unternehmen nahezu handlungsunfähig gemacht hatte”, schätzte das Verbraucherforum.Berlin im Juni 2018 ein.

Wenn die Berichte stimmen, müssen jetzt 500 Zeichner?&nbspvon 58 Millionen Euro Nachrangdarlehen, Unternehmensanleihen und Wandelschuldverschreibungen nach der Anmeldung der Insolvenz um Ihr Geld bangen.

Die Bewertung durch Scoredex wurde aktualisiert, weil bei der Zuger Scoredex GmbH ein ständiges Monitoring stattfindet. Nur bei der OGI AG findet sich über die Verschlechterung der Noten keine Information. Die OGI – Anleger werden in der Bundeszeitung noch immer in die Irre geführt.

 

Im September 2013 erzielte auch der Maklerpool WIFO sehr gute Noten, inzwischen sind diese längst nicht mehr aktuell © Ausriss aus Pressebox.deIm September 2013 erzielte auch der Maklerpool WIFO sehr gute Noten, inzwischen sind diese längst n ... mehrIm September 2013 erzielte auch der Maklerpool WIFO sehr gute Noten, inzwischen sind diese längst nicht mehr aktuell © Ausriss aus Pressebox.de

Nächster Schummler: Maklerpool WIFO

Seit nunmehr siebeneinhalb Jahren wirbt die WIFO Wirtschafts- & Fondsanlagenberatung und Versicherungsmakler GmbH aus dem baden-württembergischen Rheinstetten in der Pressebox.de:

SCOREDEX-RATING: WIFO als bester Pool ausgezeichnet.

Und unterschlägt dabei, dass Scoredex die Unternehmen auch nach der ersten Bewertung weiter screent und den Score (Wert für die geschäftliche Glaubwürdigkeit) je nach Veränderung nach oben oder unten korrigiert.

Auch die Bewertung von WIFO durch Scoredex wurde der realen Entwicklung angepasst. Die letzte Änderung erfolgte am 27. September 2019.

Versicherungskaufmann Sven Burkart (39) aus Durmersheim hat die Geschäftsleitung am 15. September 2017 von seinem Vater Karl Burkart (66) aus Rheinstetten übernommen, der den Maklerpool im Jahr 1987 gegründet hatte und dem der Pool nach wie vor gehört.

 

Mit dem Generationswechsel von Vater Karl Burkart (66) auf seinen Sohn Sven (39) im Herbst 2017 veränderte sich die geschäftliche Vertrauenswürdigkeit erheblich © Pressefoto und Ausriss aus WIFO.comMit dem Generationswechsel von Vater Karl Burkart (66) auf seinen Sohn Sven (39) im Herbst 2017 ver ... mehrMit dem Generationswechsel von Vater Karl Burkart (66) auf seinen Sohn Sven (39) im Herbst 2017 veränderte sich die geschäftliche Vertrauenswürdigkeit erheblich © Pressefoto und Ausriss aus WIFO.com

Der Generationswechsel birgt einiges Risiko.

Sohn Sven Burkart kündigte in der Generationswechsel-Pressemitteilung vom 29. Januar 2018 an:

Zukünftig wird es neue Leistungen mit einem innovativen Service zur Digitalisierung geben, um die Verbundpartner im digitalen Wandel zu unterstützen.

Wifo investiert mit Partnern hohe Summen, um das Wifo Geschäftsmodell durch Innovationen zu erweitern.

Am 6. Februar 2019 trat Junior Sven Burkart allerdings als Vorstand des 2013 gegründeten Versicherungs-IT-Dienstleisters BrokerDrive Assurance Software AG aus Ettlingen (Pforzheimer Str. 128 A) zurück und übergab den Posten an Marco Swen Burkart (43) aus Birkenfeld.

Die BrokerDrive Assurance Software AG verweigerte am 10. April und am 24. Juli 2019 jeweils die Vermögensauskunft. Am 9. Dezember 2019 eröffnete das Amtsgericht Karlsruhe schließlich das Insolvenzverfahren, Aktenzeichen: 30 IN 494/19. Am 19. Dezember 2019 zeigte Insolvenzverwalterin Rechtsanwältin Gesa Pantaleon aus Offenburg dem Insolvenzgericht gar die Masseunzulänglichkeit an. Nächster Prüftermin: 6. März 2020.

Seit Januar 2013 ist Sven Burkart Geschäftsführer des 2010 gegründeten Versicherungsmaklers PKV Service Center GmbH am Sitz des WIFO-Maklerpools im Gewerbering 15 in Rheinstetten.

Inhaber ist zu 74 Prozent WIFO und damit Senior Karl Burkart. Die restlichen 26 Prozent gehören einem weiteren Maklerpool: nämlich der 2008 gegründeten Financial Experts Group AG mit Sitz an selber Stelle in Rheinstetten. Auch dort ist Sven Burkart seit März 2010 im Vorstand.

Der Internetauftritt dieser Financial Experts Group AG “befindet sich im Aufbau.”

Die PKV Service Center GmbH weist während der gesamten Führungszeit unter Sven Burkart in sämtlichen Jahresabschlüssen eine bilanzielle Überschuldung aus.

Damit der WIFO-Maklerpool mit seinen 60 Mitarbeitern und 3.000 angeschlossenen Maklern endlich mal mit einer ordentlichen Dokumente-Verarbeitungssoftware arbeiten kann, schloss sich WIFO anfang Februar 2020 mit dem Maklerpool blau direkt aus Lübeck zusammen, ohne die Eigentümerstrukturen in beiden Pools zu ändern.

 

Oliver Pradetto Coccolo (48) ist Geschäftsführer und Kommanditist (34 Prozent Anteil) des im Jahr 2001 gegründeten Versicherungsmaklerpools blau direkt GmbH & Co. KG aus Lübeck (Kaninchenborn 31) in Schleswig-Holstein © Youtube/blau direkt MitarbeitervorstellungOliver Pradetto Coccolo (48) ist Geschäftsführer und Kommanditist (34 Prozent Anteil) des im Jahr ... mehrOliver Pradetto Coccolo (48) ist Geschäftsführer und Kommanditist (34 Prozent Anteil) des im Jahr 2001 gegründeten Versicherungsmaklerpools blau direkt GmbH & Co. KG aus Lübeck (Kaninchenborn 31) in Schleswig-Holstein © Youtube/blau direkt Mitarbeitervorstellung

Oliver Pradetto, COO von blau direkt, betonte in einer gemeinsamen Presseerklärung vom 6. Februar 2020:

Uns ist unsere technische Stärke als Technologiemarktführer unter den Pools sehr wohl bewusst.

WiFo soll blau direkt Zugriff auf Gewerbekunden liefern und die Online-Beratungssoftware seines eng verbundenen Partnerunternehmens dWERK GmbH & Co. KG zur Betrieblichen Altersvorsorge einbringen.

Im Gegenzug darf sich Sven Burkart endlich über ein neues IT-Niveau freuen:

Mit blau direkt gewinnen wir eine Leistungsfähigkeit in der IT, mit der wir unsere Partner sofort auf das marktführende Niveau heben können. Qualität und Umfang der automatisierten Verarbeitung von Daten und Dokumenten ist atemberaubend. Allein das war für uns ein starkes Argument zur Zusammenarbeit.

Der Scoredex wird sich in die eine oder andere Richtung verändern. Mit Sicherheit ist er nicht mehr auf dem Stand von 2013, wie WIFO uns glauben machen will.

 

Eine Weiterveröffentlichung der Scoredex-Bewertung vom April 2013 des Emissionshauses DEFOMA GmbH kommt einer Täuschung gleich, weil der Score gesunken ist © Ausriss aus Onvista.deEine Weiterveröffentlichung der Scoredex-Bewertung vom April 2013 des Emissionshauses DEFOMA GmbH k ... mehrEine Weiterveröffentlichung der Scoredex-Bewertung vom April 2013 des Emissionshauses DEFOMA GmbH kommt einer Täuschung gleich, weil der Score gesunken ist © Ausriss aus Onvista.de

Nächster Schummler: Emissionshaus DEFOMA GmbH

Auf dem Kölner Finanzportal Onvista.de wirbt die DEFOMA GmbH noch heute:

Scoredex-Rating bescheinigt DEFOMA GmbH sehr hohe Transparenz und ein hervorragendes Gesamtrating.

Das geschah tatsächlich im März 2013. Doch auch hier fehlt der Hinweis auf eine Aktualisierung des Scoredex-Ratings.

Die Website des Emissionshauses steht zum Verkauf.

Das 2012 gegründete Emissionshaus DEFOMA GmbH ist 2014 von Hamburg (Papellallee 28) nach Berlin Halensee (Katharinenstraße 9) umgezogen und zeigt keinerlei Aktivitäten mehr.

Der einstige geschäftsführende Gesellschafter Markus Stephan Heiderich (50) aus dem brandenburgischen Falkensee hat im April 2019 mit dem einstigen Pressesprecher der DEFOMA Gruppe, Friedrich-Wilhelm Eckelt aus Berlin, zwei Bauträger gegründet: die BMG Berlin Mitte Grundbesitz GmbH in der Eiswerderstraße 20 A in Berlin Hakenfelde und die MSH Objekt 7 GmbH in der Foersterstraße 30 in Falkensee. Bei beiden hat Markus Heiderich wieder die Geschäftsleitung übernommen.

Die DEFOMA GmbH ist 100prozentige Inhaberin der MSH Beteiligungs GmbH aus der Schulzenstraße 19 im Falkenhagener Feld in Berlin Spandau.

Diese MSH Beteiligungs GmbH wird von Frank Hofmann (55) aus dem hessischen Oberursel (Taunus) geleitet. Sie ist Komplementärin (persönlich haftende Gesellschafterin) des Fonds DEF Substanzwerte Portfolio GmbH & Co. KG, der ebenfalls in der Schulzenstraße 19 in Spandau sitzt.

Dieser Fonds ist seit 2015 bilanziell überschuldet. Ebenso die beiden anderen Fonds von DEFOMA: DEF Deutsche Energie Finanz 5 GmbH & Co. KG und DEF Deutsche Energie Finanz 11 GmbH & Co. KG, beide aus der Jenfelder Allee 80 in Hamburg. Der vierte Fonds, an dem sich DEFOMA beteiligt hat, ist der DEF Deutsche Energie Finanz 1 GmbH & Co. KG aus der Pappelallee 28 in Hamburg. Der drei Jahre nach seiner Gründung im Sommer 2015 aufgelöst Fonds hat unter Leitung von Ove Nils Burmeister (56) aus Wakendorf und Frank Hofmann keine einzige Bilanz veröffentlicht.

Und die zur DEFOMA Gruppe gehörende BIK Immobilien Verwaltungs GmbH mit Sitz in der Heerstraße 44 in Berlin Westend, ein Spezialist für die Entwicklung und Vermarktung von Wohn- und Gewerbeimmobilien in deutschen Metropolregionen wie Berlin, Hamburg und München, meldete 2014 im DEFOMA GmbH newsroom:

In den vergangenen Jahren hat das Managementteam der BIK über 28 Projektfinanzierungen mit einem Volumen von etwa 400 Millionen Euro erfolgreich begleitet und sich dabei ein ausgezeichnetes Netzwerk zu institutionellen und privaten Investoren aufgebaut sowie als Partner für mittelständische Unternehmen bewährt.

Im Juni 2014 trat Frank Hofmann allerdings als Geschäftsführer der BIK zurück. Das Unternehmen, das je zur Hälfte dem Berliner Sascha Falk und Markus Heiderich gehört, ist seit 2014 bilanziell überschuldet. Es wurde im Juni 2019 aufgelöst.

DEFOMA glänzt heute weder mit Transparenz noch mit einer guten Gesamtbewertung. Ein Blick auf Gütesiegel-Ersteller Scoredex.com deckt solche oder ähnliche Schummelein sehr schnell auf.