Ende letzten Jahres teilte die Ergo Versicherungsgruppe AG aus Düsseldorf den mehr als 20.100 Anlegern des insolventen Wertpapierhandelshauses Accessio AG aus Itzehoe in Schleswig-Holstein mit, dass die Accessio-Mehrheitsgesellschafter Andre Driver (43) aus Itzehoe und Carsten Bengsch (44) aus Vaale eine Vermögensschadenshaftpflichtversicherung abgeschlossen hatten. Die Versicherungssumme beträgt 2 Millionen Euro pro Jahr für alle Schäden durch die Accessio AG.
Ein Witz im Vergleich zum verbrannten Geld. Thorsten Krause von den KAP Rechtsanwälten aus München teilte dazu dem Finanznachrichtendienst GoMoPa.net mit:
In Anbetracht der Tatsache, dass die Accessio beispielsweise im Dezember 2007 rund Euro 775 Millionen Euro Anlegergelder eingesammelt hatte, erkennbar der berühmte Tropfen auf den heißen Stein.
Besser und ergiebiger sei es nach Auffassung von Rechtsanwalt Krause, die Depotbank DAB Bank AG aus der Landsberger Allee 300 in München in Regress zu nehmen.
Sie gehört zu 91,69 Prozent der BNP Paribas Beteiligung AG aus Frankfurt, die wiederum eine Tochter der BNP Paribas S.A. ist. Die französische Geschäftsbank BNP Paribas S.A. ist von den Einlagen her die größte Bank Europas (Stand 2010) und vom Börsenwert her die drittgrößte Bank Europas (Stand 2011).
Die DAB Bank AG wurde 1997 als erster Direkt-Broker Deutschlands gegründet und legt ihren Schwerpunkt auf das Wertpapiergeschäft.
Allerdings, so steht es im letzten Geschäftsbericht für das Jahr 2013, spricht die DAB Bank AG als Privatkunden “vorrangig internetaffine Kunden an, die ihre Anlageentscheidungen selbständig treffen.”
Und was die Geschäftskunden anbelangt (nach eigenen Angaben seien 60 Prozent der in Deutschland zugelassenen Vermögensverwalter Geschäftskunden bei der DAB Bank AG), übernimmt die DAB Bank AG lediglich “die Verwahrung und Verwaltung von Wertpapieren sowie die Durchführung von Wertpapiertransaktionen.”
Auch der Leiter der Corporate Communication (Pressesprecher) der DAB Bank AG, Dr. Jürgen Eikenbusch, hatte gegenüber dem Finanznachrichtendienst GoMoPa.net betont, dass die DAB Bank AG nur die technische Plattform für den Vermögensverwalter Accessio AG gewesen sei.
Bislang folgte das Oberlandesgericht (OLG) in München, dem Sitz der DAB Bank AG, wie auch das OLG Schleswig, Sitz der Accessio AG, dieser Auffassung und schmetterten Anlegerklagen gegen die DAB Bank AG wegen Haftung für die Falschberatung der Accessio AG ab.
Aber vor kurzem kam durch Zeugenvernehmungen heraus, dass ein ehemaliger leitender Mitarbeiter der DAB Bank AG sehr detalliert über die Falschberatung seines Geschäftskunden Accessio AG Bescheid wusste. Das OLG München änderte daraufhin seine Meinung über die Haftung der Bank.