Der Schwabe Matthias Raisch (49) entwickelt seit 2011 einen Steuerquellcode, der die sprichwörtliche Steuererklärung für Arbeitnehmer auf einem Bierdeckel mit einer Smartphone-App wahrmacht. Der sogenannte Taxbutler kostet 27 Euro (Jahresbruttogehalt bis 10.000 Euro), 47 Euro (Jahresbrutto von 10.000 bis 30.000 Euro) oder 87 Euro (darüber).

Der Taxbutler sammelt per Handyfoto alle Belege übers Jahr und fertigt am Ende des Jahres eine Steuererklärung, die er direkt online ans Finanzamt schickt.

Zur Vermarktung gründete Raisch, der nach eigenen Worten als Angestellter schon alles erreicht hatte, was man als Angestellter erreichen kann (Raisch war Führungskraft beim Finanzkonzern Allianz), im Jahr 2014 das Fintech Start up pareton GmbH in der Bahnhofstraße 39 in Ludwigsburg.

 

Taxbutler-Erfinder Ex-Allianz-Führungskraft Matthias Raisch (49, rechts) aus dem schwäbischen Ingersheim mit seinem Marketingmanager Alexander Fechner (26), beide bildeten das Team bei der pleite gegangenen pareton GmbH aus der Bahnhofstraße 39 in Ludwigsburg in Baden-Württemberg © Youtube/taxbutler.de/factory.tv und Ausriss aus SeedmatchTaxbutler-Erfinder Ex-Allianz-Führungskraft Matthias Raisch (49, rechts) aus dem schwäbischen Inge ... mehrTaxbutler-Erfinder Ex-Allianz-Führungskraft Matthias Raisch (49, rechts) aus dem schwäbischen Ingersheim mit seinem Marketingmanager Alexander Fechner (26), beide bildeten das Team bei der pleite gegangenen pareton GmbH aus der Bahnhofstraße 39 in Ludwigsburg in Baden-Württemberg © Youtube/taxbutler.de/factory.tv und Ausriss aus Seedmatch

Im vergangenen Jahr zwischen März und August sammelte Raisch über die Startup Crowdfunding Plattform Seedmatch aus dem Käthe-Kollwitz-Ufer 79 in Dresden von 312 Schwarminvestoren Nachrangdarlehen ab 250 Euro in einer Gesamthöhe von 300.000 Euro ein. Die Kündigung des Anlegers ist frühestens zum 31. Dezember 2022 möglich. In Aussicht gestellt wurde eine Festverzinsung in Höhe von 1 Prozent pro Jahr und ein jährlicher gewinnabhängiger Bonuszins.

Die Bewertung des Unternehmens belief sich auf 1,2 Millionen Euro. Im Jahr 2016 hatte man 800 Kunden und 1.400 Steuererklärungen erstellt. Taxbutler hatte bis zum Beginn der Schwarmfinanzierung im Frühjahr 2017 einen Gesamtbruttoumsatz von 145.000 Euro erwirtschaftet.

Doch der erhoffte Marketing-Effekt blieb aus und ging sogar nach hinten los.

Raisch musste am 28. Juni 2018 für sein Taxbutler-Unternehmen pareton GmbH Insolvenz anmelden. Das Amtsgericht Ludwigsburg eröffnete am gleichen Tag das vorläufige Insolvenzverfahren und setzte als vorläufigen Insolvenzerwalter Rechtsanwalt Michael Riegger aus Tübingen ein (Aktenzeichen: 4 IN 316/18).

Raisch begründete den Schritt gegenüber dem SPIEGEL wie folgt:

Für die Skalierung des Geschäftsmodells und die Weiterentwicklung der Software hätten wir mehr Geld gebraucht.

Eine neue Finanzierungsrunde ist aber leider nicht zustande gekommen.

Der tiefere Grund, warum das Marketing nicht zündete, könnte in Raischs Auswahl seiner Partner liegen

Denn Raisch blamierte sich mit der prominenten Teilhaberschaft des fintech-verantwortlichen Finanzstaatssekretärs und heutigen Bundesgesundheitsministers Jens Spahn (38, CDU) aus Berlin.

Der Wesmünsterländer und seit 15. März 2018 Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (38, CDU) aus Berlin war vor anderthalb Jahren mit 15.000 Euro Teilhaber des Startups pareton GmbH, als er im Bundesfinanzministerium als Finanzstaatssekretär für die staatliche Förderung von Fintechs und Startups verantwortlich war © Youtube / Bundesministerium für GesundheitDer Wesmünsterländer und seit 15. März 2018 Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (38, CDU) aus Be ... mehrDer Wesmünsterländer und seit 15. März 2018 Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (38, CDU) aus Berlin war vor anderthalb Jahren mit 15.000 Euro Teilhaber des Startups pareton GmbH, als er im Bundesfinanzministerium als Finanzstaatssekretär für die staatliche Förderung von Fintechs und Startups verantwortlich war © Youtube / Bundesministerium für Gesundheit

 

Und erst Recht mit dem windigen Unternehmensberater und Online-Steuerberater Dr. Rainer Schenk (54) aus Ostheim vor der Rhön (Kleiner Burgweg 9) in Bayern.

Dr. Schenk wurde 2009 als Vorstand der mutmasslich betrügerischen Leasinggeschäftsfirma Eliog Technologie AG aus Erfurt (Spielbergtor 12d) in Thüringen mit einem geschätzten Schaden von 25 Millionen Euro beim Landgericht Mühlheim gerichtsbekannt.

Update 25. Oktober 2018: Betrugs-Verfahren gegen Eliog-Vorstand eingestellt – Stellungnahme Steuerberater Dr. Rainer Schenk von der Kanzlei Dr. Schenk, Kleiner Burgweg 9, D-97645 Ostheim:

Sehr geehrte Damen und Herren,

in vorgenannter Veröffentlichung (laut Link) schreiben Sie unter Nennung meines vollen Namens, meiner Berufstätigkeit, meiner Kanzleiadresse und der Abbildung eines Fotos von mir u.a., ich sei als Vorstand der “betrügerischen Leasinggeschäftsfirma ELIOG” tätig gewesen, 2009 als Vorstand der “betrügerischen Leasinggeschäftsfirma ELIOG…. gerichtsbekannt” geworden zu sein.

Bei mir handele es sich um einen “windigen” Unternehmensberater und Steuerberater.

Tatsächlich liegt kein Urteil bezüglich eines betrügerischen Verhaltens der ELIOG AG bzw. derer Organe vor, alle bereits abgeschlossene Strafverfahren endeten für mich mit einer Einstellung.

Diese Veröffentlichung verletzt daher mein Persönlichkeitsrecht und ist daneben geeignet, erhebliche finanzielle Schäden, die zur Zeit noch nicht abschließend abgeschätzt werden können, auszulösen.

Ich habe Sie daher zunächst aufzufordern, die genannten Veröffentlichungen spätestens bis zum 25.10.2018 vom Netz zu nehmen, ansonsten werde ich umgehend rechtliche Hilfe in Anspruch nehmen müssen.

Weitere Forderungen bleiben vorbehalten.

Ich bitte um Eingangsbestätigung meiner E-Mail.

Mit freundlichen Grüßen

Diplom-Kaufmann Univ.

Dr. Rainer Schenk

Steuerberater

Doch der Reihe nach.