Die Schweizer Bank Vontobel aus Zürich bietet nicht nur seit 2017 als erstes Schweizer Geldhaus ein Bitcoin-Zertifikat auch für deutsche Anleger an, sie ist auch Marketmaker.

 

Das heisst, die Bank muss sicherstellen, dass es immer einen Preis gibt.

Doch am 4. Januar 2021 schockte die Bank ihre Bitcoin-Kunden mit einem Preis, der satte 3.000 Dollar unter dem tatsächlichen Marktpreis lag.

 

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Vontobel, eine der führenden Anbieterinnen von Krypto-Assets, war bei den ersten Anzeichen eines Crashs sofort in Deckung gegangen. Der tatsächliche Marktkurs von Bitcoin (BTC) war laut Coindesk.com zum Jahreswechsel auf 20.000 Dollar gefallen, erholte sich aber sofort wieder bis 4. Januar auf 33.000 Dollar stieg dann bis 7. Januar auf 37.000 Dollar und bis 17. Februar auf 49.000 Dollar.

Und Vontobel?

Wie Lukas Hässig vom Züricher Inside Paradeplatz
aufdeckte, stellte Vontobel am 4. Januar 2021 jedoch einen Geldkurs von 3.040 Dollar für ein Zertifikat im Verhältnis von 1 zu 10, das entsprach somit einem Bitcoin-Kurs von 30.400 Dollar – weit weg vom tatsächlichen Marktpreis zum damaligen Zeitpunkt.

Zur Begründung teilte ein Vontobel-Sprecher mit:

Der Grund dafür ist die im Termsheet transparent ersichtliche Verwaltungsgebühr von 1.50% p.a., die täglich abgeführt wird.

Daraus resultiert die Abweichung gegenüber dem Bitcoin-Kurs.

Die Verwaltungsgebühr also. Hier sah Vontobel offenbar noch erhebliches Potential, um die Bitcoin-Kunden zur Kasse zu bitten.

Die neuen Spesen ab 9. März 2021 klettern bis zum Sechsfachen auf bis zu 9 Prozent.

Am 9. März 2021 läuft der Handel für das alte Bitcoin-Zertifikat der Bank Vontobel aus. Wer seine Anteile bis dann nicht über den Handel verkauft hat, der wird von den Zürchern ausbezahlt – nicht ohne Kosten.

Auf den gleichen Zeitpunkt lanciert Vontobel als Nachfolgeprodukt ab 3. Februar 2021 zwei neue Bitcoin-Tracker-Zertifikate, eines in Zeichung bis 11. März 2021 und dann im Börsenhandel (ZXBAAV 55337875) und eines sofort direkt im Sekundärmarkt an der Schweizer Börse SIX.

Das neue Produkt ist nicht mehr im Verhältnis von 1 zu 10 zum Bitcoin, sondern im Verhältnis 1 zu 100.

Das wirklich Neue sind aber die Gebühren. Für das zukünftige Zertifikat verlangt die Vontobel-Bank laut Prospekt anfangs 3,75 Prozent pro Jahr (also das Anderthalbfache der jetzigen Gebühr) und kann diese mit einer einer Ankündigungsfrist von 1 Monat jederzeit auf 9 Prozent pro Jahr erhöhen, also auf das Sechsfache der jetzigen Spesen.

Zur Begründung der Gebührenerhöhung heißt es von Vontobel-News am 1. Feburar 2021:

Die Kostenstruktur der neuen Produkte reflektiert die geltenden Eigenmittelanforderungen…

Die seit Ende 2019 geltenden Eigenmittelanforderungen für Schweizer Emittenten im Krypto-Bereich führen dazu, dass Vontobel das Bitcoin-Zertifikat nicht mehr ökonomisch sinnvoll bewirtschaften kann. Die aktuelle Managementgebühr respektive die Erträge decken die Kosten des Produkts nicht mehr ausreichend ab…

Bei dem Tracker-Zertifikat auf Bitcoin partizipieren Anleger um das Bezugsverhältnis bereinigt 1:1 an der Kursentwicklung des Basiswertes, jedoch vor Abzug der Managementgebühr. Steigt der Basiswert – in diesem Fall Bitcoin – beispielsweise um 10% im ersten Jahr und hat das Zertifikat eine Managementgebühr von 1,5% p.a., dann weist das Tracker-Zertifikat im gleichen Zeitraum eine Performance von 8,5% aus.

Den Unterschied zwischen der Wertentwicklung des Basiswertes und derjenigen des Zertifikates nennt man auch Tracking Error. Da das Bitcoin Tracker-Zertifikat bereits über 3 Jahre am Markt ist, sind die transparent ausgewiesenen Produktkosten mittlerweile auf über 4,5% aufgelaufen und verringern die Partizipation an der Kursentwicklung des Basiswertes Bitcoin entsprechend.

Zur Begründung der kleineren Stückelung heißt es von Vontobel-News:

Das neue Bezugsverhältnis von 1:100 macht die Produkte zudem erwerbbar für Anleger, die mit einem geringen Kapitalaufwand an der Bitcoin-Wertentwicklung partizipieren wollen und/oder einen Neueinstieg planen…

Als das Tracker-Zertifikat auf Bitcoin von Vontobel im Jahre 2017 emittiert wurde, lag der Bitcoin-Kurs bei rund 5.500 US-Dollar. Da das Bezugsverhältnis eines Produktes grundsätzlich nicht veränderbar ist, ist das aktuelle Bitcoin Produkt für interessierte Privatanleger, die nur kleine Summen investieren wollen, teuer geworden. Dies kann durch neue Zertifikate mit einem Bezugsverhältnis, das dem eingetretenen Sprung bei Bitcoin Rechnung trägt, korrigiert werden.

Die aufgeführten Gründe seien ausschlaggebend gewesen, dass Vontobel sich dazu entschieden hat, das aktuelle Tracker-Zertifikat auf Bitcoin zu kündigen und durch zwei neue Tracker-Zertifikate mit angepassten Bedingungen zu ersetzen.

Die Kunden wurden in den letzten Tagen informiert. Einige von ihnen laufen Sturm, weiß der Züricher Inside Paradeplatz. Für sie grenzt das Vorgehen an Wucher. Nun denn…