Was ist nur bei der Fitness-Discounter-Kette (17.99 Euro monatlich) FitnessKing GmbH aus Koblenz los?
Altkunden bekommen zum Beispiel acht Jahre nach dem Ausscheiden eine Aufforderung von der Inkasso Becker Wuppertal GmbH & Co. KG aus Wuppertal, sie mögen für die letzten vier Jahre des angeblich immer noch laufenden Vertrages die Beiträge entrichten: knapp 1.000 Euro.
Kaum einer hat nach acht Jahren noch die damalige Kündigungsbestätigung aufgehoben. Die Briefe drohen mit Schufa-Eintrag und Mahnverfahren und wirken auf Laien einschüchternd.
Die Betroffenen fühlen sich überrumpelt und verschaukelt, wenden sich ans Fernsehen und den Finanznachrichtendienst GoMoPa.net, eine Verbraucherzentrale oder suchen den Erfahrungsaustausch in geschlossenen Facebookgruppen.
Schnell wird klar: Es handelt sich nicht um Einzelfälle.
Monika Schiffer von der Verbraucherzentrale NRW hat innerhalb weniger Tage mehr als 30 Beschwerdefälle auf dem Schreibtisch.
Der studierte Master of Financial Consulting Murat Güclü aus Dortmund-Nordstadt initiierte vor einem Monat die Facebook-Gruppe Seltsame Forderungen->Fitness/Inkasso. 19 Betroffene geben sich darin Hilfestellung.
Einer zweiten, ebenfalls vor einem Monat gegründeten Facebook-Gruppe Kündigung Fitness-Studio haben sich bereits 128 Mitglieder angeschlossen.
FitnessKing-Inhaber Christoph Hermann, ein 45jähriger Diplom-Sportwissenschaftler aus Dieblich in Rheinland-Pfalz, geriet schon einmal vor vier Jahren in öffentliche Kritik.
2014 berichteten ehemalige Mitarbeiter eidesstattlich gegenüber der WELT von “verloren gegangenen Kündigungen”, so dass sich die Mitgliedschaft von Kunden, die ihre Kündigung nicht beweisen können, um mehrere Monate verlängere.
Studiomitarbeiter erinnerten sich, dass sogar Kündigungsschreiben, die sie selbst in der Filiale entgegengenommen haben, teilweise verschwunden waren.
In der Beschwerde-Hotline sind fast jeden Tage Anrufe erboster Kunden eingegangen, weil weiter Monatsbeiträge abgebucht wurden.
Doch nun nach Jahren der Ruhe kommt über ehemalige FitnessKing-Kunden eine aus Sicht der Betroffenen ungerechtfertigte Inkasso-Welle.
Verbraucherschützerin Schiffer sagte im Magazin RTL Punkt 12:
Wir gehen davon aus, da wir ja alte Unterlagen hier haben, dass irgendwo alte Unterlagen aufgekauft wurden von einem Inkassobüro und geschaut wird, kann man noch Geld von dem Verbraucher, von dem ehemaligen Kunden bekommen.
Christoph Hermann verspricht über seinen Anwalt ein Entschuldigungsschreiben, wenn das betroffene Mitglied die Nachweise der ordnungsgemäßen Kündigung vorlegen kann.
Und die Inkasso Becker Wuppertal GmbH & Co. KG spricht in solchen Fällen von fehlerhaften Datensätzen und erklärt:
Die Bearbeitung dieser unberechtigten Forderungen haben wir eingestellt.
In einigen Beschwerdefällen ist die Prüfung (…) noch nicht abgeschlossen und der Forderungsprozess bis zur Klärung ausgesetzt.
Kunden, die keine Nachweise über ihre Kündigung erhalten haben oder die Nachweise längst entsorgt haben, stehen weiter unter Druck.
Von dem auf Sportstudio-Forderungen spezialisierten Becker Inkasso Wuppertal hat man bislang von solchen mysteriösen Forderungen wie die von InkassoKing auch zuvor noch nie gehört.
Noch im Oktober 2016 wurde die Becker Inkasso Wuppertal GmbH & Co. KG von der body LIFE, der Fachzeitschrift für die Fitnessbranche, nach einer Umfrage unter 500 Fitnessstudios zum besten Unternehmen im Bereich Forderungsmanagement der Fitnessbranche gewählt und mit dem body LIFE Award ausgezeichnet.
Doch es gab einen Eigentümerwechsel bei der Becker Inkasso Wuppertal. Von der GFKL Financial Services GmbH zur Lowell Financial Services GmbH. Finanziert über Anleihen, die sich die Becker Inkasso Wuppertal GmbH & Co. KG trotz bester Bilanzen selbst niemals leisten könnte, für deren Rückzahlung das Inkasso-Büro aber vollends mitbürgen muss.
Darin könnte der tiefere Grund liegen, warum Becker Inkasso Wuppertal plötzlich so mysteriöse Forderungen an ahnungslose Kunden verschickt.
Die Bürde des Eigentümerwechsels zur britischen Lowell Group errechnet sich so: