Mittlerweile muss man bei dem einstigen Solardach-Pionier Green City AG aus München von einem Schuldensumpf sprechen. Der Verschuldungsgrad des Solar-, Wind- und Wasserstrom-Erzeugers liegt nach eigenen Angaben im Wertpapier-Informationsblatt vom 21. April 2021 bei sage und schreibe 1.128 Prozent.

 

Und dennoch kommen Operativvorstand Jens Mühlhaus (48) aus München und sein Finanzvorstand Frank Wolf (61) ebenfalls aus München nicht umhin, schon wieder eine neue fünfjährige Firmenanleihe in Höhe von 8 Millionen Euro mit einem Jahreszins von 4 Prozent in den Vertrieb zu geben, wobei dann dem angeschlossenen Vertrieb Green City Finance GmbH unter Leitung von Frank Wolf bei Vollplatzierung 400.000 Euro zufließen sollen.

 

Jens Mühlhaus (49) aus München, Vorstandssprecher und Leiter Operatives Geschäft bei der nicht börsennotierten Green City AG aus München © Pressefoto Green City AG, Tobias HaseJens Mühlhaus (49) aus München, Vorstandssprecher und Leiter Operatives Geschäft bei der nicht b ... mehrJens Mühlhaus (49) aus München, Vorstandssprecher und Leiter Operatives Geschäft bei der nicht börsennotierten Green City AG aus München © Pressefoto Green City AG, Tobias Hase

 

Der überschuldete Konzern steht vor einem Problem: Am 30. Juni 2021 müssen 6 Millionen Euro für eine Jubiläumsanleihe zurückgezahlt werden, die im Jahr 2015 emittiert wurde.

Laut WIB ist “gegenwärtig beabsichtigt”, dass aus dem Nettoemissionserlös ein Betrag von bis zu 6 Millionen Euro zur Refinanzierung der 2015 begebenen und 2021 fälligen Jubiläums-Anleihe der Emittentin verwendet wird.

Wenn Mühlhaus die Rückzahlung aus den frisch eingeworbenen 8 Millionen Euro vornehmen sollte, bleiben nach Abzug der 400.000 Euro für den Vertrieb zum geplanten Wachstum (Kauf und Betreiben von Solar-, Wind- und Wasseranlagen in Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien) rechnerisch nur noch 1,6 Millionen Euro.

Die Anleger können die neue Anleihe ab 1.000 Euro zeichnen und sollen darauf jährlich 4 Prozent Zinsen erhalten.

In fünf Jahren am 30. Juni 2026 ist dann ihr geplanter Rückzahltag. An dem Tag halten aber auch noch weitere Anleger die Hand auf. Am 30. Juni 2026 werden neben den 8 Millionen Euro aus der neuen Anleihe auch noch 2 Millionen Euro aus einer zehnjährigen Jubiliäumsanleihe fällig, die 2015/2016 noch zusätzlich platziert wurde.

Die beiden Jubiläums-Anleihen aus dem Jahr 2015 wurden von Mühlhaus und Wolf einst als sichere Geldanlage beworben.

750 Anleger kauften die insgesamt 10 Millionen Euro Jubiliäums-Schuldverschreibungen.

Der Run auf die Jubiläums-Anleihe der Green City Energy AG erklärte sich möglicherweise auch damit, dass diese Jubiläums-Anleihe als “sichere Geldanlage” beworben wurde.

Die Verbraucherzentrale Hamburg schritt ein und mahnte das bayerische Unternehmen “wegen irreführender Werbung” ab.

Die Verbraucherzentrale Hamburg teilte dazu mit:

Das Unternehmen hat erklärt, die Schuldverschreibung nicht mehr als “sichere Geldanlage” zu bewerben…

Wir gehen davon aus, dass Green City Energy auch die nächste und folgende Anleihen nicht mehr mit der irreführenden Aussage “Sicherheit” bewerben wird.

Die Verbraucherzentrale Hamburg begründet ihr Einschreiten mit dem hohen Risiko:

Hohe Zinsen, hohes Risiko

Unternehmensanleihen, die Anlegern in der Regel mit hohen Renditeversprechen verkauft werden, bergen immer das Risiko, dass bei einer Insolvenz des Unternehmens weder Zinsen noch das angelegte Geld zurückgezahlt werden.

Auch bei grünen Geldanlagen ist eine Unternehmensanleihe immer nur so gut, wie ihr Emittent zahlungsfähig ist.

Am Totalverlustrisiko ändert weder die Aussicht einer Investition in Erneuerbare-Energien-Anlagen noch das Versprechen auf feste Zinsen etwas.

Wie hoch das unternehmerische Risiko auch bei der Auswahl von Kooparationspartnern sein kann, hat die Green City Energy AG bei der Kooperation im Jahr 2013 für den Bau von zwei Windparks in Rothhausen und Maßbach mit dem Wind- und Solarprojektierer juwi AG aus Wörrstadt in Rheinland-Pfalz unter Beweis gestellt.

Auch die juwi Bau Festzins GmbH, eine Tochter der juwi AG, legte zur Zwischenfinanzierung von Projekten Nachrangdarlehen auf: den Bauzins Deutschland 1.

Die juwi Bau Festzins GmbH sammelte noch im selben Jahr 2013 von 2.000 Anlegern 30 Millionen Euro ein, wie der Finanznachrichtendienst GoMoPa.net berichtete.

Um die Anleger anzulocken und in Sicherheit zu wiegen, gab die juwi AG eine Patronatserklärung ab, “in deren Rahmen die juwi AG für die Rückführung der von der Emittentin verliehenen Mittel einsteht”.

Außerdem werde die Konzernmutter juwi AG eventuelle Jahresfehlbeträge sowohl der Nachrangdarlehen-Emittentin juwi Bau Festzins GmbH als auch Jahresfehlbeträge der Darlehensempfängerin juwi Energieprojekte GmbH ausgleichen. Das geschehe im Rahmen von Ergebnisabführungsverträgen zwischen Mutter und Töchtern.

Doch was nützen Patronatserklärung und Ergebnisabführungsverträge, wenn es der Mutter selbst schlecht geht?

Die juwi-Firmengruppe geriet in Schieflage und musste Ende 2014 vom Mannheimer Energieversorger MVV Energie gerettet werden. Seitdem rutscht Juwi von einem Skandal zum nächsten, wie GoMoPa.net berichten musste.

 

Was will der Anleger?

“Für unsere wegweisenden Angebote und hohen Nachhaltigkeitsstandards wurden wir wiederholt ausgezeichnet, unter anderem mit dem Sustainability Award, den Energy Globe Award sowie dem Best Community Award”, ließ nun Green City Energy AG-Pressesprecherin Messerschmidt am 4. September 2017 wissen.

Tine Messerschmidt zählte auf:

Zitat:

Die Nachhaltigkeits-Ratingagentur oekom research bewertet Green City Energy mit dem Prime-Status B+. Darüber hinaus wurden wir mit dem TÜV-Siegel “Wegbereiter der Energiewende” ausgezeichnet.

 

GoMoPa Private User Struckischreck, ein Kaufmann aus München, kommentierte das so:

Das hört sich ja alles ganz wunderbar an.

Aber auch für umwelt- und ökologiebewusste Anleger ist die Frage entscheidend, ob das Unternehmen damit auch tatsächlich Geld verdient, mit dem es langfristig die Zinsen bedienen und das investierte Kapital zurückzahlen kann.

Und das scheint hier wohl mehr als fraglich.

 

Konzern mit hohem Bilanzverlust im Geschäftsjahr 2018

Die Emittentin hat laut Jahresabschluss 2019 im hohen Umfang Geschäfte mit ihren Tochtergesellschaften und ihr nahestehenden Unternehmen getätigt. Ein Konzernabschluss von Green City enthält auch die Ergebnisse der Tochtergesellschaften und erhöht somit die Transparenz.

Der Konzernjahresabschluss der Green City AG für das Geschäftsjahr 2019 ist aber derzeit noch nicht im Unternehmensregister veröffentlicht. Im letzten veröffentlichten Konzernabschluss – für das Geschäftsjahr 2018 – hat die Green City AG einen Konzernjahresfehlbetrag von rund 7 Millionen Euro, einen Konzernbilanzverlust von rund 50 Millionen Euro und einen nicht durch Konzerneigenkapital gedeckten Fehlbetrag von rund 35 Millionen Euro ausgewiesen.

Die Anleihe ist laut WIB nicht an einer Börse oder an einem anderen organisierten Markt handelbar. Ebensowenig die sogenannten Bürgeraktien des Unernehmens, auf die seit Firmierung als Aktiengesellschaft im Jahr 2011 bis heute noch nie Dividenden gezahlt wurden. Nun denn…