Sie waren 17 und 18 Jahre jung, als sie sich vor acht Jahren aus China eine Solarbatterie bestellten und in einer Münchner Garage in einen Renault Twingo einbauten: ihr erstes E-Auto ihrer Firma Sono Motors GmbH, das sie sogar für den Straßenverkehr zugelassen bekamen.

 

Vier Jahre später gründeten die beiden Tüftler ohne Fachschulabschluss Laurin Sinan Paul Hahn (25, rechts) und Jona Christians (26) in der Waldmeisterstraße 26 in München ihre Firma Sono Motors GmbH. Das Ziel der beiden Autodidakten: Die Entwicklung eines E-Autos, das die Konkurrenz wie etwa eGo life der Hochschule Aachen oder den ID.3 aus der Großserie von Volkswagen in den Schatten stellen soll.

Sein Name: Sion. Seine Außenhaut ist mit Solarpaneelen bestückt, was für eine Extrareichweite von 35 Kilometern reicht. Im Kofferraum gibt es eine normale 230 Volt Steckdose. Falls man – etwa beim Picknick – mal ein elektrisches Gerät aus dem Haushalt anschließen möchte. Als eines der ganz wenigen Elektroautos soll der Sion einen bis zu 750 Kilogramm schweren Anhänger ziehen dürfen. Und der Wagen kann für ein anderes E-Auto als Ladestation gentutzt werden.

Da es kein Händlernetz gibt und auch kein eigenes aufgebaut werden kann, sollen Service und Reparaturen von freien Werkstätten durchgeführt werden. Besitzer mit handwerklichem Geschick könnten sogar selbst Hand anlegen, meint Firmengründer Laurin Hahn. Dafür öffnet Sono Motors das technische Handbuch. Ersatzteile werden per Kurier ins Haus geschickt.

Und im Bordcomputer gibt es eine Carsharing-App. Damit wollen die bayerischen Jungunternehmer später das Hauptgeschäft machen und nicht vordergründig mit dem Verkauf der rund 26.000 Euro teuren und 140 km/h schnellen Fünfsitzer mit eine Reichweite von 250 Kilometern pro Batterieladung.

Der Produktionsstart soll 2022 im ehemaligen SAAB-Werk in Trollhättan in Schweden sein. Von 344.000 Fahrzeugen über 8 Jahre ist die Rede, die Sono Motors produzieren können möchte. Heutiger Eigentümer der Anlagen ist “National Electric Sweden Vehicle”. Verträge darüber gibt es noch keine. Laut ADAC e.V. aus München ist die automatisierte Fertigungsstraße zur Zeit weder bestellt noch finanziert.

Bei Tests des Prototypen zersplitterte zudem die Solarpaneele auf der Außenhaut des Wagens.

Das Haupt-Problem ist aber: Der Start der Serienprodukton kostet rund 250 Millionen Euro.

 

Augenblicklich sammelt die Sono Motors GmbH von Kleinanlegern Nachrangdarlehen ab 250 Euro mit einer Laufzeit von 5 Jahren und einer jährlich fälligen Verzinsung von 6 Prozent ein. Rund 2,3 Millionen Euro wurden schon gezeichnet. Bis zum geplanten Platzierungsende am 30. November 2020 sollen 6 Millionen Euro zusammenkommen.

Es ist bereits die dritte Crowfinanzierungsrunde seit August 2017. In der ersten Runde auf der Plattform von WinWin kamen 2017/2018 geschätzt 1,5 Millionen Euro zusammen, in der zweiten Runde ebenfalls von WinWin waren es 2018/2019 rund 2,2 Millionen Euro. Die dritte Crowd-Nachrangdarlehensrunde startete nun im Dezember 2019. Diesmal auf der Plattform invest.sonomotors.com.

Hinter der invest.sonomotors.com steht der mittlerweile berühmtberüchtigte Vertrieb CrowdDesk GmbH aus Frankfurt am Main. Die Plattform kassiert in jedem Fall 2,2 Prozent von den eingeworbenen Nachrangdarlehen. Die CrowdDesk GmbH mit ihrem Hauptgesellschafter (45,54 Prozent) Joachim Lang (60) aus Pfaffenhofen an der Roth hat Kleinanleger bereits auf ihren Plattformen GLS-Crowd.de oder auf ecoligo.investments in Kamikaze-Investments geschickt, wie GoMoPa berichtete.

Die anvisierten 6 Millionen Euro sind nur ein Tropfen auf dem heißen Stein und halten die Sono Motors GmbH am Leben, die laut ihrem letzten Geschäftsbericht aus dem Jahr 2018 mit rund 3,4 Millionen Euro bilanziell überschuldet ist.

Nicht umsonst wird im Vermögens-Informationsblatt vom 3. Februar 2020 für die Sono Motors Nachrangdarlehen erklärt:

Es besteht ein hohes Risiko, dass dem Emittenten in Zukunft nicht die erforderlichen Mittel zur Verfügung stehen, um die Zinsforderungen zu erfüllen und die Nachrangdarlehensvaluta zurückzuzahlen.

Die Mittel, die durch diese Schwarmfinanzierung eingeworben werden, reichen zur Umsetzung des Vorhabens und der Fortführung der Geschäftstätigkeiten des Emittenten auch dann nicht aus, falls das Funding-Limit (s.u. Ziffer 6) erreicht wird.

Mit großem Tam-Tam wurde im Januar 2020 eine erfolgreich abgeschlossene 53 Millionen Euro Privatfinanzierungsrunde von Investoren gefeiert.

Doch auf dieses Geld ist nicht wirklich Verlass.

 

Der Mainzer Investor Matthias Willenbacher (50, Gründer von WiWin, juwi sowie Gründer und Geschäftsführer von Wi Venture aus Berbach in Rheinland-Pfalz) und der Münchner Investor Otto Berninghausen (50, Geschäftsführender Gesellschafter der ELFH Holding GmbH & Co. KG aus Bremen) haben zusammen 10 Millionen Euro Beteiligungskapital zugesagt, wenn durch eine Community Funding Campagne mindestens 35 Millionen Euro zusätzlich in die Firmenkasse der Sono Motors GmbH gespült werden.

Die beiden Münchner Visionäre Hahn und Christians hatten sich alle Mühe gegeben.

Jona Christians schilderte dem ADAC:

Wir sind dann durch Deutschland getourt – in Köln, Stuttgart, Berlin, Hamburg und München hatten wir Events, bei denen so eine Stimmung aufkam, dass wir zusammenhalten, dass wir es gemeinsam schaffen können.

Am 21. Januar 2020 gab Sono Motors in einer Presseerklärung bekannt: