Wie einen funkelnden Diamanten präsentierte die saudische Zahid-Gruppe ihre deutsche Neuerwerbung, den Solarpark-Erbauer und -Betreiber Greencells GmbH aus Saarbrücken, im November 2020 gegenüber der Finanzaufsicht des Großherzogtums Luxemburg, um für dieses Kleinod zum ersten Mal in dessen elfjähriger Firmengeschichte ein Anleihekapital (geplant 25 Millionen Euro) in Deutschland und Österreich einsammeln zu dürfen.

 

Obwohl doch eigentlich der Hauptteil des geplantes Geldes für deren arabische Schwesterfirma Greencells Group Holdings Limited in den Vereinigten Arabischen Emiraten bestimmt ist. Die entwickelt die Solarparks in Europa, die dann von der deutschen Schwester gebaut und betrieben werden sollen.

Über diese arabische Schwester erfährt man allerdings im Prospekt nichts Genaues. Über das deutsche Glanzstück hingegen findet man einen geprüften Jahresabschluss, der nach einem Minus von rund 1,7 Millionen Euro 2018 nun im Geschäftsjahr 2019 einen Überschuss von rund 2,8 Millionen Euro aufweist. Sowie eine Steigerung der Umsatzerlöse von rund 54 Millionen Euro (2018) auf rund 85,5 Millionen Euro (2019).

 

Das Management der deutschen Greencells GmbH aus Saarbrücken © Ausriss aus Greencells-Factsheet zum Werpapierprospekt für den Greencells Green Bond 6,5% vom 12. November 2020Das Management der deutschen Greencells GmbH aus Saarbrücken © Ausriss aus Greencells-Factsheet zu ... mehrDas Management der deutschen Greencells GmbH aus Saarbrücken © Ausriss aus Greencells-Factsheet zum Werpapierprospekt für den Greencells Green Bond 6,5% vom 12. November 2020

 

Statt der geplanen 25 Millionen Euro wurden jedoch nur 15 Millionen Euro platziert. Der Greencells Green Bond 6,5% mit einer fünfjährigen Laufzeit bis 1. Dezember 2025 wird seit 9. Dezember 2020 im Freiverkehr an der Frankfurter Wertpapierbörse (Quotation Board) gehandelt.

Weitere Tranchen mit Volumen von insgesamt bis zu 10 Millionen Euro will das Unternehmen in den nächsten Monaten “in Abhängigkeit vom Marktumfeld” über Privatplatzierungen herausgeben.

Die Zurückhaltung der Anleger hat zwei Gründe:

 

Die Greencells GmbH hat aktuell an Glanz verloren. Und die Sicherheiten der arabischen Schwester sind zu nebulös.

Das Vorzeigeunternehmen Greencells GmbH musste einen Covid-19-Notkredit aufnehmen.

 

Die bisherige Finanzierung der Emittentin beruhte bislang laut Prospekt hauptsächlich auf Abschlagszahlungen der Auftraggeber sowie größeren Lieferantenkrediten zu einzelnen Warenlieferungen.

Im Mai 2020 hat die Greencells GmbH liquide Mittel von 10 Millionen Euro über die SaarLB im Rahmen des KfW-Covid-19-Kreditprogramms aufgenommen, die im Juni 2022 fällig sind.

Seit einem noch positiv ausgefallenen Zwischenabschluss der Emittentin zum 30. Juni 2020 hat das Unternehmen danach weitere Kreditlinien von Banken in Höhe von insgesamt 10 Millionen Euro zur Verfügung gestellt bekommen.

Und am Ende des Jahres 2020 folgte der Greencells Green Bond 6,5% 2020/2025.

Die arabische Schwester bekommt nicht nur den Hauptteil der Bond-Gelder, sie stellt auch den Hauptteil der Sicherheiten.