Wie gelingt es eigentlich Deutschlands größter Struktur-Vertriebspyramide, der Deutschen Vermögensberatung AG (DVAG) aus Frankfurt am Main, immer wieder neue “Vermögensberater im Strukturvertrieb” anzuwerben?

 

Inzwischen sind es schon 18.000 dieser selbständigen Handelsvertreter.

Der vom verstorbenen Firmengründer Professor Dr. Reinfried Pohl senior 1975 aus Marburg in Hessen erfundene Beruf “Vermögensberater im Strukturvertrieb” ist doch bekanntlich an persönlicher Ausbeutung kaum zu überbieten:

Die Marburger Pohl-Brüder Andreas (57, links, Vorstandsvorsitzender) und Reinfried (62, rechts, Generalbevollmächtigter) führen die Verkaufspyramide Deutsche Vermögensberatung AG (DVAG) ihres verstorbenen Vaters Ehrenprofessor Dr. Reinfried Pohl seit 2014 fort © Pressefotos DVAG

Die Marburger Pohl-Brüder Andreas (57, links, Vorstandsvorsitzender) und Reinfried (62, rechts, Generalbevollmächtigter) führen die Verkaufspyramide Deutsche Vermögensberatung AG (DVAG) ihres verstorbenen Vaters Ehrenprofessor Dr. Reinfried Pohl seit 2014 fort © Pressefotos DVAG

 

Pohl senior erfand einen Beruf ohne Gehalt, ohne Sozialabsicherung, ohne geregelte Arbeitszeit, ohne Urlaubsgeld, ohne Mutterschaftsanspruch, ohne Tarife und ohne Streikgefahr. Aber dafür in sektenähnlicher Abhängigkeit von Provisionen für Versicherungen und Geldanlagen, wie GoMoPa schon vor 12 Jahren warnte.

Ziemlich schamlos nutzen nun auch die beiden Erben des Firmengründers, seine Marburger Söhne Reinfried Pohl (62, Generalbevollmächtigter der DVAG) und Andreas Pohl (57, Vorstandsvorsitzender der DAVAG), eine altbekannte Erkenntnis aus, die sie sich in einer von ihnen in Auftrag gegebenen Studie gerade erst wieder neu bestätigen ließen.

Eine repräsentative Umfrage von Kantar aus München im Auftrag der Deutschen Vermögensberatung AG (DVAG) kam im Juni 2021 zu dem Ergebnis:

Freunde und Familie vor allem für Jüngere wichtige Informationsquelle

Je jünger die Befragten, desto wichtiger sind Ihnen Familie und Freunde als Informationsquelle für Finanzen.

Unter den Befragten zwischen 18 und 24 Jahren informieren sich knapp 60 Prozent vor allem bei Angehörigen sowie im Freundes- und Bekanntenkreis über die Möglichkeiten der privaten Altersvorsorge…

So vertrauen durchschnittlich sechs von zehn Befragten auf eine persönliche Beratung – wie auch die rund acht Millionen Kunden der DVAG.

Die Anwerbung dieser Familienvertrauten geschieht aktuell aggressiv und in der Zielrichtung gar nicht familienfreundlich, wie ein Selbstversuch des ZDF-Magazins Frontal 21 in der Sendung vom 16. November 2021 ergab.

Die ZDF-Reporter Jörg Göbel, Michael Haselrieder und Jonas Helm legten sich einen Fake-Account an und nahmen
Kontakt zu einem erfolgreichen DVAG-Berater auf.

O-Ton DVAG-Vermögensberater:

Wenn du eine Zeit lang hauptberuflich dabei bist, wirst du
hier irgendwann mit Geld zugeschissen.

Doch erst mal müsse sich jeder Neuling unterordnen – und
zwar ganz unten. Wer neu dazu kommt, fängt auf der untersten Stufe an. Er muss seine Provisionen mit allen über ihm stehenden Vertrieblern teilen. Außerdem geht ein Teil an die Dachorganisation des Vertriebs.

Dann wird der Berater persönlich:

Also, eigentlich müsstest du jetzt sagen: Du bist die Liebe
meines Lebens! So abhängig musst du dich von mir machen,
damit wir das zusammen durchziehen können. Das muss dein
Wille sein, der muss ungebrochen sein.

Was deine Freunde zur DVAG sagen, ist egal! Scheiß auf die!

Eine unabhängige Vermittlung von Finanzprodukten, wie etwa von einem Makler, ist schon von Natur aus ausgeschlossen.

Denn 40 Prozent des Pohlschen Familienbetriebes DVAG liegt in den Händen des italienischen Versicherungskonzerns Generali Deutschland AG in München.

DVAG schluckte 2020 den Generali-Vertrieb EVG

Wie die DVAG unter Leitung von Andreas Pohl im Jahr 2019 bekannt gab, wollte sie bis Mitte 2020 rund 2.800 Mitarbeiter vom Exklusiv-Vertrieb der Generali (EVG) übernehmen.

Nachdem die DVAG bereits im Jahr 2008 den Ausschließlichkeitsvertrieb der AachenMünchener übernahm, folgten nun nach demselben Muster alle weiteren mobilen Vertriebswege der Generali Deutschland.

Im Geschäftsjahr 2016 steuerte die DVAG etwa 60 Prozent am Neugeschäft der Generali Deutschland (AachenMünchener, Badenia, Advocard und Central) bei.

Berater riskieren Familien- und Freundesverlust