Einer internationalen Bande von mutmaßlichen Anlagebetrügern hat die Polizei in Mittelhessen das Handwerk gelegt. Die Gruppe soll von mindestens 300 Opfern mindestens fünf Millionen Euro erschwindelt haben. Die Masche mit falschen Aktien und falschen Anleihen funktionierte über Callcenter, Internet und ein Netz von Scheinfirmen, wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Dienstag (12. Juli 2016) mitteilten.

 

Die Callcenter in Düsseldorf, Köln und sogar Spanien waren laut Polizei hochprofessionell: Sie gaben sich beispielsweise als Mitarbeiter einer Firma mit dem wohlklingenden Namen Lloyd Financial Service aus. Noch dazu gab es seriös aussehende Internetseiten mit einem Loginbereich, in dem Kunden den Wert ihrer Aktie verfolgen konnten. Doch die Aktien und auch Anleihen, die den Angerufenen zum Kauf angeboten wurden, existierten wie die dazugehörigen Firmen überhaupt nicht in Wirklichkeit. Zur Verschleierung wurden sogar echte Bankkonten für die Scheinfirmen in Deutschland eröffnet.

 

Zwei Callcenter in Düsseldorf, eines Köln und eines in Spanien wurden benutzt, um 300 Anlegern 5 Millionen Euro für Aktien und Anleihen von Scheinfirmen zu verkaufen © YoutubeZwei Callcenter in Düsseldorf, eines Köln und eines in Spanien wurden benutzt, um 300 Anlegern 5 M ... mehrZwei Callcenter in Düsseldorf, eines Köln und eines in Spanien wurden benutzt, um 300 Anlegern 5 Millionen Euro für Aktien und Anleihen von Scheinfirmen zu verkaufen © Youtube

 

Die eingehenden Überweisungen wurden zeitnah entweder in bar abgehoben oder für den Online-Erwerb von Goldmünzen bei diversen Edelmetallhändlern eingesetzt. Das bestellte Gold wurde wiederum an Briefkastenfirmen in Nordrhein Westfalen und Niedersachsen geliefert und von Mittätern abgeholt und verteilt.

Die Polizei hat nun 26 mutmaßliche Täter in ganz Europa festgenommen.
14 Beschuldigte sitzen jetzt in Untersuchungshaft, darunter sind auch die mutmaßlichen Köpfe der Bande. Ein Beschuldigter wurde aufgrund eines europäischen Haftbefehls der Staatsanwaltschaft Marburg in Spanien festgenommen und in die Bundesrepublik ausgeliefert.

Im Zuge der monatelangen Ermittlungen wurden 25 Objekte in Nordrhein-Westfalen, Bremen und Niedersachsen durchsucht. Die Polizei nahm 17 Verdächtige fest, gegen 14 von ihnen erging Haftbefehl. Die Drahtzieher im Alter zwischen 35 und 45 Jahren sitzen in Untersuchungshaft. Andere Verdächtige kamen wieder auf freien Fuß. Die Festnahmen erfolgten im Raum Düsseldorf, in Bremen und Ritterhude (Niedersachsen) sowie in Spanien.