Mallorca23. November 2011 | 14:05 | Lesedauer ca. 9 min | Autor: GoMoPa-Redakteurin CR

Deutsche Abzocker lieben Mallorca


Wer um 13 Uhr in Berlin oder Köln eine Straftat begeht, kann um 17 Uhr in Palma landen und ohne Passkontrolle einreisen. Als Deutscher fällt er auf Mallorca bei jährlich drei Millionen deutschen Urlaubern nicht weiter auf, ganz anders, als wenn er in die Türkei oder Ukraine flüchten würde.

 

Außerdem: Wer weniger als 6 Monate auf Mallorca lebt, muss sich nicht einmal polizeilich melden. Die Behörden wissen also gar nicht, wer sich gerade auf der Insel aufhält. Mallorca ist ein Paradies für deutsche Abzocker. Ein Ort der Zuflucht vor Gläubigern, Steuerfahndern oder deutschen Staatsanwälten.

Normalerweise bleiben die 27.000 deutschen Mallorca-Residenten weitestgehend unter sich. In Streitigkeiten von Deutschen mit Deutschen mischt sich die spanische Polizei kaum ein. Und wenn, dann dauert so etwas sehr lange. Die Mörder des erschossenen deutschen Bierkönigs aus der Schinkenstraße von El Arenal (Ballermann) Manfred Meisel (49) und seines achtjährigen Sohnes Patrick sowie einer Hausangestellten in dessen Villa Ses Barraques in Sankt Aranjassa am 13. November 1997 sind bis heute nicht gefasst.

Aber die deutschen Ermittler machen zunehmend Druck

Während die Policia Nacional in Palma im vorigen Jahr 22 Rechtshilfeersuchen aus Deutschland bearbeitete und 18 Deutsche festnahm, waren es in den ersten sieben Monaten dieses Jahres schon 14 Ersuchen und 11 Festnahmen, sagte Comisario Toni Cerda dem Spiegel. Man habe täglich Kontakt mit der deutschen Polizei.

Am 8. Juni 2011 gelang am Flughafen von Palma de Mallorca in einer abgestimmten Operation mit der Staatsanwaltschaft Dresden die Festnahme eines Drahtziehers des Filmpiraten-Internetportals kino.to aus Leipzig, auf dem in großem Stil Links zu raubkopierten Filmen angeboten wurden und das durch Werbung von Porno- und Glücksspielanbietern Millionen an Euros verdiente.

Boss Dirk Bottek, ein gelernter Bodenleger aus Leipzig, wurde am selben Tag zuhause in der Richard-Wagner-Straße in Leipzig geschnappt und wartet in Untersuchungshaft auf seinen Prozess wegen banden- und gewerbsmäßigen Betruges. In Calvia auf Mallorca soll ihm und den 12 anderen Mitgliedern der Bande eine imposante Villa zur Verfügung gestanden haben, von der sie das Netzwerk steuerten. Eine Briefkastenfirma habe im Herzen von Mallorcas Hauptstadt, Palma, direkt neben dem Rathaus residiert.

K1-Direktor: Selbstmord statt Gefängnis in Deutschland

Der Exkneipenwirt vom Münchner Spatenhaus Dieter Frerichs (72), zuletzt Direktor des Kiener K1-Fonds, zog es vor, lieber auf Mallorca zu sterben, als wie sein Boss Helmut Kiener (52) aus Aschaffenburg in Bayern für zehn Jahre und acht Monate hinter Gitter zu müssen, wie das Landgericht Würzburg am 22. Juli 2011 urteilte. Als die spanische Polizei Frerichs am 3. Juni 2010 in seiner 4-Millionen-Euro-Villa mit großem Fuhrpark in Calvia festnehmen und nach Deutschland überstellen wollte, sprang Frerichs von den Klippen, auf denen seine Villa steht, ins Mittelmeer und erschoss sich anschließend.

Frerichs und sein Boss Kiener haben, wie das Landgericht Würzburg feststellte, 5.000 Kleinanleger und zwei Großbanken in neun Jahren um mehr als 300 Millionen Euro geprellt. Frerichs sollte die Geschäfte der beiden Hedgefonds K1 Global Limited und K1 Invest Limited in Road Town von Tortola, der größten der Jungferninseln, in der Karibik leiten. In Wirklichkeit blickte Frerichs aufs Mittelmeer und habe für den Bürodienst 10.000 Euro im Monat Festgehalt plus Prämien von bis zu 1 Million Euro kassiert.

Frerichs führte die Geschäfte aus einem angemieteten 2-Zimmer-Büro in bester Lage in Palmas Altstadt gegenüber dem Rathaus. Von hier aus soll Frerichs die Geldflüsse auf das weitverzweigte Konten- und Firmennetz seines Bosses?&nbsp umgeleitet haben, der wiederum in Florida ein geheimes Doppelleben?&nbspmit 23-Millionen-Dollar-Villa (1.300 Quadratmeter Wohnfläche) in Palm Beach in Florida, 12sitzigem Privatjet mit 10.000 Kilometern Reichweite und Helikopter für Kurzstrecken geführt?&nbsphabe, während er zuhause in Aschaffenburg mit seiner Frau (Hauswirtschaftslehrerin) und seinen zwei Kindern ein relativ bescheidenes Leben zur Schau stellte und bestenfalls mal ein paar Kissen für die kalten Kirchenbänke oder mal einen halben Kirchturm spendete.

Neben der Villa in Calvia besaß Frerichs noch eine Stadtwohnung in der Carrer Margarita Retuerto in Palma in der Nähe des Strandes Calla Major. Dort hatte ihn die spanische Polizei aufgrund eines internationalen Haftbefehls schon am 13. April 2010 überwältigt. Aber Frerichs klagte über Herzschmerzen und bekam von einem milden Richter in Palma eine Schonfrist, die am 3. Juni 2010 endete.

Bonds-Jongleur Pilling erklärte sich einfach für tot

Statt als Angeklagter vor dem Amtsgericht Düsseldorf zu erscheinen, ließ der auf Mallorca lebende deutsche Millionenbetrüger Lutz Pilling (63) aus Offenburg der Richterin im vergangenen Jahr eine Urkunde über seine Einäscherung schicken. Tod durch Leberzirrhose. Die Rheinische Post veröffentlichte gar eine Todesanzeige.

Allerdings war Pilling so dumm, drei Monate nach seinem angeblichen Todestag am 10. September 2010 seinen altbekannten Detektiv (55) aus Oberhausen (NRW) anzurufen und ihn bat, etwas zu recherchieren. Der Detektiv rief die Zeitung an, was sie da für einen Blödsinn veröffentlicht hätte. Die zuständige Düsseldorfer Richterin lässt vom Deutschen Konsulat in Palma de Mallorca prüfen, ob Pilling tatsächlich einem Leberleiden erlag. Sollte er noch leben, käme zu seinem jetzigen Verfahren noch ein Verfahren wegen Urkundenfälschung (bis zu 5 Jahre Haft) hinzu.

In der ausstehenden Verhandlung geht es um gewerbsmäßigen Immobilienbetrug. Von August 2001 bis Juli 2003 soll Pilling zwölf Geldgeber um eine Viertelmillion Euro geprellt haben. Als Bevollmächtigter einer spanischen Firma (mit Filiale an der Düsseldorfer Graf-Adolf-Straße) habe Pilling gutgläubige Investoren dazu verleitet, auf ihre spanischen Häuser Kredite aufzunehmen und ihm das Geld zu überlassen. Er versprach horrende Zinsen – doch die Kunden gingen leer aus, so die Vorwürfe.

Pilling gelang es schon einmal, sich sechs Jahre lang vor den Zielfahndern des Landeskriminalamtes Nordrhein-Westfalen zu verstecken. Er schipperte auf seiner weißen Yacht übers Mittelmeer und hatte sein Gesicht mehrmals operieren lassen. In einer Bar in Barcelona war er geschnappt worden, weil sich die Fahnder mit einem Peilsender an die Fersen seiner Mutter hefteten, die ihn besuchte.

Pilling war wegen eines 250-Millionen-Euro schweren Schneeballsystems seiner Intercontinental Brokerage (ICB) GmbH aus der Königsallee in Düsseldorf und Phantasie-Treasury-Bonds-Optionen (Schuldverschreibungen des US-Schatzamtes) 1996 vom Landgericht Düsseldorf zu fünf Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt worden. Er wurde wegen guter Führung vorzeitig entlassen. Noch in der Bewährungszeit zog er den neuen Anlageschwindel mit den deutschen Finca-Besitzern auf.

Der “Zerleger von Malle” tauchte für immer ab

Am 18. September 2007 meldete sich Deutschlands lautester Firmenjäger (Aufkaufen, Zerlegen, Verkaufen), der Hedgefonds-Manager Florian Homm (52) aus Bad Homburg, aus seiner an der Londoner Börse gehandelten und auf den Caymaninseln ansässigen Absolute Capital Manager (ACM) durch den Verkauf seines 13prozentigen Anteils und die Rückgabe seines Vorstandsposten von einem Tag auf den anderen ab und steht seitdem auf der Vermisstenliste der Finanzwelt.

Aus gutem Grund: Der Manager soll mit seinen Leuten Investoren um 140 Millionen Euro geprellt haben. Der größte Einzelaktionär (15 Prozent) beim Bundesliga-Fußballklub Borussia Dortmund und Großneffe von Versandhauskönig Josef Neckermann kann mit seinem Privatflugzeug hinfliegen, wo immer er hinwill. Zuletzt soll man ihn im Zürcher Kaufleuten-Club gesehen haben, einem Nightlife-Treff des Jetsets ein paar Gehminuten von der Bahnhofstraße in Zürich, wo Homm eine Eigentumswohnung besitzt. So auch in London und Frankfurt.

Weil er seine Geschäfte von einem Büro am Yachthafen in Palma de Mallorca führte, nannte er sich selbst den “Zerleger von Malle”. Er genoß die Sonnenseite des Lebens, am liebsten auf der Terrasse des Restaurants Kontiki direkt neben seinem Büro in Palma. Das sei quasi seine “Kantine” gewesen, verriet er 2005 dem Spiegel. Er rauchte täglich zehn kubanische Zigarren der Marken Havanna oder Monte Cristo.

“Leben wie im Paradies” titelte Die Bunte im Jahre 2007, nach einem Besuch seines 1.300 Quadratmeter großen Palais Villa C an Girasol auf den Hügeln über Palma de Mallorca. Den Klatschreportern zeigte er in der Garage sein beiges Rolls Royce Corniche Cabrio. Seine Frau Susan, eine dunkelhaarige Schönheit mit amerikanischem Pass, von der er inzwischen geschieden ist, führte durch die Impressionisten-Sammlung im Haus und gönnte einen Blick in des Meisters Arbeitszimmer mit Billardtisch. Zwischen Pool und Palmen durften Besucher den atemberaubenden Blick auf die Bucht von Palma genießen. Vielleicht steht Homm ja in diesem Augenblick wieder dort in seinem Marmor-Interieur vor goldumrandeten Teetassen.

“Trading-König von Malle” verlegte seinen Firmensitz nach Zypern

Den auf Mallorca lebende Investment-Broker Nikolaus Gropper (54) leitete von 2005 bis 2007 den Mallorca Trading Club (MTC) in Inca, den er wegen einer Geldwäscherazzia am 26. April 2007 mit Firmensitz nach Lefkosa auf Zypern verlegte. Seitdem heißt der Club “GCN Limited” und wird unverändert wie der MTC als verschwörerischer Geheimklub weiter geführt. Werbung ist laut Statut verboten. Wer etwas ausplaudert, wird von den versprochenen Gewinnen ausgeschlossen.

Hinein kommt man ab 500 Euro Mindesteinlage, ein Maximum nach oben hin gibt es nicht. Der Investor darf sich auf eine versprochene wundersame Geldvermehrung freuen. Denn Trading-Meister Gropper gibt vor, jeden Einsatz in nur drei Monaten zu verdoppeln. Nach einem Vierteljahr soll das Geld an den Anleger komplett zurückgezahlt werden.

10 Millionen Euro soll Gropper inzwischen schon auf einem Konto in der Schweiz gebunkert haben und soll auf Mallorca in Saus und Braus leben. Nur seine Trading-Freunde bediene er eher kleckerweise oder gar nicht, je nachdem, wie viel frisches Anlegerkapital hereinkommt. Denn ein reales Investment hat bislang noch keiner gesehen.

Ein klassisches Schneeballsystem, so scheint es, das nur vom Mythos eines selbsternannten Trading-Genies lebt. Und wer will schon wegen ein paar Hundert verlorener Euro einen Prozess auf Zypern anstrengen? Lieber glaubt man den Hinhalte-Neuigkeiten und Ausreden, die Gropper seit Jahren in den Clubnewslettern auftischt, warum es gerade im Augenblick bei der Auszahlung klemmt.

Wiener-Karussell-Boss lässt Mallorca-Thorsten bezahlen

“Mallorca-Thorsten” Torsten Seyfert (40) und seine Frau Daniela (ehemals Ptak, 37) aus Paderborn, die durch Ferrari-Spritztouren und eine pompöse Hochzeitsparty vor einem Jahr am Strand bei Puerto Portals inselweit Bekanntheit erlangten, müssen sich gerade mit einem Schweizer Komplizen als Callcenter-Betreiber in Bielefeld vor dem Landgericht verantworten. Fast 140.000 Opfer sollen sie mit Kontoabbuchungen für die Teilnahme an dubiosen Gewinnspielen immer neuer Firmen wie Fortuna 24, Gewinntipp88 oder WinTipp88 um 19 Millionen Euro geprellt haben.

Ihre Callcenter und Firmen gehören wie 150 andere Callcenter zu einem großen Glücksspielkarussell aus Wien. Im Mittelpunkt des Firmengeflechts steht die im Jahre 2003 gegründete Wiener Firma Luck24 IT-Service und Fulfillment GmbH mit Magister Stephan Kleinander an der Spitze. Bei der Luck24 laufen alle Daten ein, die Hunderte von Callcentern, vor allem aus Nordrhein-Westfalen, mit eigentlich verbotenen Anrufen bei Rentnern erfragen. Es erscheint beim Empfänger nicht selten eine Nummer aus Mallorca, Zypern, der Türkei oder Los Angeles.

Die alten Menschen werden regelrecht mit mehreren Anrufen am Tag bombardiert und in langatmige Gespräche verstrickt. Einziges Ziel dieser Gespräche ist, dass die Opfer ihre Kontonummer und Bank und ein einziges Mal das Wort “Ja” sagen. Ja, sie sind mit der Abbuchung einverstanden.

An der Spitze dieses Geflechts von Gewinnspielfirmen mit ständig wechselnden Namen und Postfächern steht Robert Marek, der die täglichen Millionentransfers von seiner schwer bewachten Finca Son Mofas im Südosten von Mallorca leitet. Der Boss aus Wien lebt zwei Drittel des Jahres auf der Sonneninsel auf seinem 2,8 Hektar großen Anwesen, in das er die Führungskräfte gern zu Pool-Orgien einlädt. Die Erfolgsprämien für die Führungsriege reichen von Goldspangen bis zu einem Porsche oder Lamborghini. Er selbst lässt sich von seinem Chauffeur gern im gelben Hummer zum Yachtklub kutschieren. In Wien fährt er gern im neuesten Bentley vor. Der Umsatz seiner Unternehmensgruppe hat nach Expertenschätzungen letztes Jahr die Milliardengrenze überschritten.

“Big Manni” kehrte aus dem Gefängnis zurück

Nach einer kleinen Knastauszeit in Deutschland (7,5 Jahre in der Justizvollzugsanstalt Freiburg) sieht man das einstige “Schwergewicht in Sachen Wirtschaftsbetrug” (Spiegel) “Big Manni” Manfred Schmider (62) aus dem badischen Ettlingen wieder mit goldgefasster Sonnenbrille und Zigarre auf der Terrasse des Nobelrestaurants Riska an der Hafenpromenade von Port Andratx relaxen. In Begleitung seiner Ex-Gattin Inge, die offenbar einiges Vermögen aus besseren Zeiten herüberretten konnte, zeigt sich Big Manni wieder auf schicken Yachten oder am Pool eines luxuriösen Anwesens.

Der einstige Chef der FlowTex Technologie GmbH & Co. KG aus Ettlingen erlangte traurige Berühmtheit, weil er mal prächtig vom Handel mit so genannten Horizontalbohrsystemen lebte, von denen die meisten allerdings nur auf dem Papier existierten. Schmiders Gläubiger kostete das mehr als zwei Milliarden Euro. Dafür bekam er elfeinhalb Jahre Gefängnis aufgebrummt. Die Strafe wurde ihm aber wegen guter Führung zu einem Drittel erlassen.

Big Manni resozialisiert sich nun seit Oktober 2007 auf Mallorca auf höchstem Niveau. Seine Ex-Frau durfte nach einem Deal mit dem Insolvenzverwalter von den 100 Millionen Euro, die ihr Manni vor der Scheidung überwiesen hatte, 10 Millionen Euro behalten. Sie war nach dem Skandal in die Schweiz gezogen.

Weinaktien, aber keine Dividende in Geld

Beinahe seriös mutet da schon das Angebot von vier deutschen Betreibern des Landhotels Can Davero (Doppelzimmer ab 138 Euro) zwischen Santa Maria und Binissalem im Zentrum der Insel an. Die Hotelbetreiber haben eine “Resident Wein S.A.” mit Sitz in Palma de Mallorca gegründet und bieten 50.000 Aktien zu je 50 Euro an. Für eine Aktie gibt es eine Weinrebe. Die Gewinnausschüttung betrage 50 Prozent und erfolge erstmals 2013. Allerdings wird die Dividende nicht in Geld, sondern in Wein ausgezahlt. Nun denn …




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