Nach einem Besuch von Gorillas im Kongo flog der TV-bekannte Aussteiger Christoph Heuermann vor zwei Tagen mit der Mittagsmaschine von Lanarca nach Athen und checkte für die nächsten 17 Tage im Hilton am Hafen von Piräus ein. Als erstes besuchte er die Höhle von Zeus.

 

Der 29jährige Deutsche bleibt in der Regel nie länger als 2 Wochen an einem Ort. Während seines Studiums der Staats- und Verwaltungswissenschaft an der Uni Konstanz in Baden am Bodensee absolvierte Heuermann unter anderem Praktika beim FDP-Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler und beim Wiener Ökonomen Rahim Taghizadegan. Ein Unternehmer-Studium an der Uni in Malta brach er ab. Er wurde zum Aussteiger und Nomaden oder, wie er selbst sagt, zum Modern Masai. Bis zum 30. Lebensjahr will er alle Länder der Erde bereist haben. Seine Eltern in Deutschland besucht er nur alle zwei bis drei Monate.

 

Weiter, immer weiter: Heuermann, 29, ist auf Dauerweltreise. Im kommenden Jahr will er alle Länder der Welt besucht haben. Weil er in jedem Land immer nur kurz bleibt, muss er nirgendwo Steuern zahlen.  Bild:  Christophe Viseux für WirtschaftsWocheWeiter, immer weiter: Heuermann, 29, ist auf Dauerweltreise. Im kommenden Jahr will er alle Länder ... mehrWeiter, immer weiter: Heuermann, 29, ist auf Dauerweltreise. Im kommenden Jahr will er alle Länder der Welt besucht haben. Weil er in jedem Land immer nur kurz bleibt, muss er nirgendwo Steuern zahlen. ©Bild: Christophe Viseux für WirtschaftsWoche

 

 

Doch wie kann er Christoph Heuermann das ewige Reisen leisten?

 

Dem ProSieben Magazin Galileo erzählte er im Sommer 2017, er würde monatlich 20.000 Euro verdienen, die er bis Jahresende 2017 zu verdoppeln gedenke.

Aber eigentlicht bräuchte er nur 2.000 Euro im Monat, den Rest könne er investieren.

Heuermann wurde dank frühzeitigem Einstieg in Bitcoin relativ vermögend. Außerdem gründete er 2015 als Chief Perpetual Traveler (Chef Ewig Reisender) die Vereinigung digitaler Nomaden Staatenlos.ch mit einem Büro mit zehn festen Mitarbeitern in Medellin in Kolumbien.

Mit seinem Partner Richard Bertossa aus Wien, der in Kolumbien eine Firma hat, die Reinigungsgeräte verkauft, gibt er im abgelegenen kolumbianischen Bergdorf Jardin (3 Stunden von Medellin entfernt) Seminare zum Aussteigen und zur Steuervermeidung ab 800 Euro pro Person.

Kritiker sagen, dass seine Beratungen in Form von Seminaren und auch ebooks wie etwa “Weil Dein Geld Dir gehört – Mit Offshore-Banking sicher durch die Krise” vom Juni 2018 im Verlag Conrad Hong Kong für 79 Euro oder sein Auswanderlexikon für 153,47 sich lediglich an wenig gebildete Menschen wenden würden und nur halbwegs Brauchbares zu einem überteuerten Preis enthalten würden.

Ein Kriktiker schrieb am 5. Oktober 2019 in einem Kommentar unter einem Werbeartikel für Heuermann-Produkte in Bitcoin News Schweiz:

Über weite Strecken handelt es sich um eilig zusammengeflickte und vielfach oberflächliche bis triviale Informationen, die angesichts der hohen Preise weder umfassend genug noch ausreichend genau sind (von der publizistischen Qualität der Erzeugnisse ganz zu schweigen).

Zum Teil sind die präsentierten Fakten auch sehr lückenhaft. So interessant die interdisziplinären Informationen für Einsteiger auch sind: Eine vertiefte, ersschöpfende Darstellung, in sich geschlossene Anleitungen und Quellenangaben sucht man zumeist vergebens.

Dabei erhält man wiederum häppchenweise Informationen, wichtige Informationen, die relevant wären und die man als Kunde händeringend sucht, werden fahrlässig vergessen oder bewusst verschwiegen.

Zum Vergleich: Eine Beratung bei der englischsprachigen Plattform Flagtheory.com von der Far Horizon Capital Inc. aus Singapur unter Leitung von Chris Kirkland mit demselben thematischen Fokus (Flagtheorie bedeutet: Gehe dahin, wo die Bedingungen für dich am besten sind) kostet pro Stunde 200 Dollar (181,52 Euro) und nicht mittlerweile 1.000 Euro für anderthalb Stunden bei Christoph Heuermann. Wer sich dort bei Flagtheory.com meldet, erhält je nach Thema im Vorfeld einer Beratung kostenlos ausführliche und stichhaltige Antworten.

Landingpage für Verkauf von Vorzugsaktien einer Blue Palm Group Inc., die in Deutschland und Österreich illegal sind.

 

Mindestkauf: 10.000 Euro.

Christoph Heuermann verkauft nicht nur umstrittene Beratungen und Bücher, sondern wirbt über seine Seite Staatenlos.ch Investoren ein, die sich auf Staatenlos.ch zum Erwerb von außerbörslichen Vorzugsaktien einer erst letztes Jahr in Florida gegründeten Blue Palm Group Inc. (Internetseite: Bluepalm.Group) anmelden sollen, die gerade erst ihren Sitz gewechselt hat. Sie zog am 27. November 2019 von West Oakland (2280 West Oakland Park Boulevard, suite 225C) nach Fort Lauderdale (2269 S University Drive) um.

Sein Staatenlos.ch-Partner Richard Bertossa war am 1. Januar 2019 neben einem Richard Fasanelia als Vice President im Firmenregister eingetragen worden. Bei einem Update am 27. November 2019 wurde Bertossas Name wieder herausgenommen.

Mit den Vorzugsaktien (kein Mitspracherecht) könne man jährlich im Durchschnitt 20 Prozent Gewinne einfahren.

Dazu würde die Blue Palm Group Inc. in ausgewählten Städten wie Wien, Budapest, Leipzig, Panama City Wohnungen anmieten und vermietet sie möbliert und mit Reinigungsservice für 100 bis 150 Euro pro Nacht an gutbetuchte Kulturtouristen oder Businessreisende. Dazu nutze man das Buchungsportal Booking.com, weil man da als Vermieter auf die Kreditkartendaten der Kunden zugreifen könne, weil die Kunden beim Vermieter und nicht bei Booking.com bezahlen müssten.

Investoren können die Wohnungen nicht für sich selbst nutzen (das würde die Rendite für alle schmälern). Geschäftszahlen gibt es nur mündlich, wobei man aber ins Stottern käme, wie ein Angerufener im Internet berichtete.

Am 28. November 2019 gab die österreichische Finanzmarktaufsicht FMA eine Investorenwarnung heraus.

FMA-Pressesprecherin MMag. Annemarie Bauer, Bakk., aus Wien teilte dazu in einer Presseerklärung mit:

Österreichs Finanzmarktaufsichtsbehörde (FMA) hat heute erstmals eine Investorenwarnung gemäß Kapitalmarktgesetz 2019 veröffentlicht und warnt davor, dass das Unternehmen Blue Palm Group Inc. in Österreich ein Wertpapier ohne den gesetzlich verpflichteten Wertpapierprospekt anbietet…

Das Unternehmen ist daher nicht berechtigt, dieses Wertpapier in Österreich zu vertreiben.

Bereits am 11. November 2019 hatte die deutsche Finanzmarktaufsicht BaFin den Vertrieb in Deutschland auch nach EU-Recht für illegal erklärt:

Die BaFin hat Anhaltspunkte dafür, dass die Blue Palm Group Inc. in Deutschland ein Wertpapier in Form von vorbörslichen Aktien der Blue Palm Group Inc. öffentlich anbietet.

Entgegen Artikel 3 Absatz 1 der Verordnung (EU) 2017/1129 wurde hierfür kein Prospekt veröffentlicht.

Aber der Deutsche ohne festen Wohnsitz Heuermann will selbst schon einen sechsstelligen Betrag in das Geschäft der Blue Palm Group Inc. investiert haben und habe angeblich 29 Prozent Jahresgewinn gemacht.

Heuermann fordert potenzielle Investoren unbeirrt kumpelhaft auf:

Bitte trage hier Deine Kontaktdaten ein, wenn Du von meinen Partnern zum Investment kontaktiert werden willst.

Alternativ kannst Du mir auch an [email protected] schreiben. Ich selbst werde allerdings keinerlei Gespräche zum Vertrieb des Investments führen.

Dazu ist das operative Team hinter unserer Kurzzeitvermietung zuständig. HIER GEHT ES ZUM FORMULAR.

Im Staatenlos.ch-Formular verspricht Heuermann:

Bernhard, Stefan oder Ruben werden sich bei Dir melden.

Bernhard, Stefan und Ruben – das sind die drei Wiener Werbe-Unternehmer Bernhard Alexander Zedinger, Stefan Westermaier und Ruben Wasicky.