Soll die seit Kindertagen bestehende Freundschaft der beiden millionenschweren Frankfurter Bautycoone Ardi Goldman (57), Inhaber und Geschäftsführer der Goldman Holding GmbH aus Frankfurt Ostend, und Michael “Michi” Fuchs (60), Mitinhaber und Alleingeschäftsführer der RFR Holding GmbH aus Frankfurt Westend, tatsächlich am Ende an 100.000 Euro zerbrechen, die Ardi Goldman in gutem Glauben auf eine zugesagte Gegenleistung an die RFR überwies, ohne die Gegenleistung je bekommen zu haben?

 

Ardi Goldman kann es noch immer nicht fassen:

Michi Fuchs und Aby Rosen, die beiden Inhaber von RFR, die kenne ich schon seit Kindesbeinen. Die waren ja auch einmal in Frankfurt. Wir waren zusammen auf dem Kindergarten.

 

Ardi Goldman ist heute ein mit Preisen überhäufter Quartier-Entwickler in Frankfurt. Er bezeichnet sich selbst als Stadtteilregisseur und Baukünstler.

 

Ardi Goldman (57), Inhaber und Geschäftsführer der Goldman Holding GmbH aus der Carl-Benz-Straße 35 in Frankfurt Ostend © Goldman Holding GmbHArdi Goldman (57), Inhaber und Geschäftsführer der Goldman Holding GmbH aus der Carl-Benz-Straße ... mehrArdi Goldman (57), Inhaber und Geschäftsführer der Goldman Holding GmbH aus der Carl-Benz-Straße 35 in Frankfurt Ostend © Goldman Holding GmbH

 

So errichtete er auf den Mauern der am Ende der 1970er Jahre mit umgerechnet 50 Millionen Euro Schulden pleite gegangenen Frankfurter Diamantenbörse für 60 Millionen Euro im Jahr 2014 das heutige Büro- und Shopping-Quartier Material Arts MA in der Stephanstraße 1-3 in der Frankfurter Neustadt und brachte dort mit mehr als 50 City-Loftbüros die Kreativen (Agenturen, Architekten, Medien, Fotografen, Künstler und Kulturschaffende) ins steife Bankenviertel. Die Stephanstraße gilt als neue Trendmeile in der Frankfurter City, vergleichbar mit der Ehrenstraße in Köln.

Sein Freund Michi Fuchs, bei dem er sogar auf der Hochzeit war, gründete, nachdem Fuchs seinen Master of Business Administration an der University of Southern California erworben hatte, im Jahr 1991 mit Aby Rosen, der nach seinem Jurastudium an der Johann Wolfgang von Goethe Uni in Frankfurt eine Stelle bei Jones Lang Wootton in Manhattan angenommen hatte, gemeinsam die Firma RFR Holding LLC.

Fuchs und Rosen kauften notleidende Vermögenswerte von Agenturen wie der Resolution Trust Corporation, die Vermögenswerte von in Schwierigkeiten geratenen Kreditinstituten liquidierte. Heute ist das Unternehmen RFR dafür bekannt, einige der renommiertesten Büroimmobilien Manhattans zu besitzen und zu verwalten, darunter 375 Park Avenue (The Seagram Building) und 405 Lexington (The Chrysler Building).

Das New Yorker Magazin Commercial Observer kürte die beiden im letzten Jahr auf Platz 49 der 100 mächtigsten Gewerbeimmobilien-Investoren (im Jahr davor Platz 65).

Seit Oktober 2005 ist Michael Fuchs alleiniger Geschäftsführer der RFR Holding GmbH in Frankfurt und investiert seitdem auch kräftig in Deutschland. Das neueste Projekt: der Wohn- und Hotelturm 160 Park View am Grüneburgpark in Frankfurt Westend. Der Bau läuft auf Hochtouren. Im April 2020 waren schon 100 der 129 geplanten Eigentumswohnungen verkauft.

Doch nun ermittelt die Staatsanwaltschaft Frankfurt unter Federführung des Leitenden Oberstaatsanwalts Noah Krüger gegen die RFR Holding GmbH Bosse Michael Fuchs, seinen Generalbevollmächtigten Samuel Singer (44) und seinen Prokuristen Dr. Alexander Koblischek (49), alle aus Frankfurt, wegen Betrugsverdachts, Aktenzeichen: 7300 JS 229271/19.

 

Ardi Goldman, der Strafanzeige gestellt hat, ist vor allem enttäuscht, dass seine Freunde ihn aus seiner Sicht hintergangen haben. Dazu zählt neben Fuchs auch Samuel “Samy” Singer, mit dem er seit mehr als 20 Jahren befreundet ist und mit dem er derselben Jüdischen Gemeinde angehört. Singer habe sogar mal gemeint, dass Ardi Goldman sein großes Vorbild sei.

Die Freunde haben nun Goldman gebeten, die Strafanzeige doch zurückzuziehen.

Aber für Goldman ist es dafür zu spät: Erstens haben die Freunde die Schulden noch immer nicht zurückgezahlt. Sie haben lediglich zwischendurch mal 60.000 Euro angeboten. Eine Vermittlung innerhalb der Jüdischen Gemeinde Frankfurt ist gescheitert.

Und zweitens geht es inzwischen auch noch um einen mutmasslichen Prozessbetrug.

Wofür hat Ardi Goldman die 100.000 Euro überhaupt an RFR bezahlt?

 

Die RFR-Chefs sollten Ardi Goldman im Jahr 2014 wichtige Unterlagen zum damals noch im Bau befindlichen Büro- und Shopping-Quartier Material Arts MA in Frankfurt Neustadt versprochen haben.

Es ging um eine technische Dilligence für angebliche Baumängel und um eine rechtliche Dilligence für angebliche Fehler in den Mietverträgen.

Die beiden Gutachten hatten die RFR-Bosse wohl für sich machen lassen, weil sie sich im Frühjahr 2014 für das Quartier als mögliche Käufer interessiert hatten. Zu dem Deal kam es nicht.

Aber Ardi Goldman, der das Quartier-Projekt MA seit 2010 plante und bauen ließ, hätte die Papiere der Freunde gern noch vor seiner eigenen Bauabnahme gehabt, um die angeblichen Mängel von seinem Generalunternehmer oder seiner Rechtsanwaltskanzlei beseitigen lassen zu können.

Ein gutgedachter Deal für beide Seiten: Die Freunde hätten die Kosten für die Gutachten wieder raus. Und Ardi Goldman musste nicht mehr fürchten, bei der Bauabnahme Mängel zu übersehen, die er dann nach der Abnahme möglicherweise alleine ausbaden müsste.

Leider haben die Freunde das Geld genommen, aber nie die Gutachten geliefert. Wie sich später herausstellte, habe es wohl nicht einmal die behaupteten Mängel gegeben. Aus Sicht von Ardi Goldman: Geld für nichts also.

Als Ardi von seinen Freunden das Geld zurückverlangte, wollte sich niemand mehr erinnern. Niemand wollte zuständig sein. Fuchs verwies auf Samuel, der verwies auf Dr. Koblischek und der verwies umgekehrt auf Samuel und Fuchs.

Goldman hatte seinen Freunden vertraut und das Geld allein auf das mündliche Versprechen von Samuel Singer hin überweisen lassen.

Doch zum Glück für Goldman gibt es eine wichtige Zeugin und eine entscheidende E-Mail.

Sabine Wolff (50), Co-Geschäftsführerin der Goldman Holding GmbH und Co-Geschäftsführerin der Projektgesellschaft Marterial Arts GmbH.

Sie platzte anfang Juni 2014 in das Telefongespräch hinein, das Ardi Goldman mit Samuel Singer führte.

Sabine Wolff erinnert sich sehr gut:

Herr Goldman saß auf seinem Stuhl, telefonierend mit Herrn Singer.

“Frau Wolff, kommen Sie mal herein!”

Ich komme rein. Er macht auf laut. “Samy, die Frau Wolff möchte die Rechnung nicht bezahlen, weil sie keine Unterlagen hat.”

Herr Singer sagte so was in der Art wie: “Die Unterlagen sind ja da, wir wollen dich doch nicht betrügen, aber wir brauchen das Geld jetzt.”

Gut und ich habe dann gesagt: Wenn die Unterlagen da sind, dann schicken Sie sie uns doch. Ja?

Und dann bin ich erstmal wieder rausgegangen. Und dann kam Herr Goldman und hat mich darum gebeten, ich möge das doch bezahlen.
Herr Goldman wollte den Fall zumachen, “die Akten zumachen”, so war sein Wortlaut.

Anschließend habe sie an Singer eine E-Mail geschickt, in der sie alles noch einmal zusammengefasst hat.

Warum Ardi Goldman entgegen des Rates seiner Finanzgeschäftsführerin die 100.000 Euro vorab bezahlte, hat laut Goldman folgenden Grund:

Ich hatte dann auch langsam Bedenken, dass es diese Gutachten über das MA überhaupt gibt.

Die haben auch eine Rechnung geschickt, die wir zahlen sollen. Die war falsch tituliert mit Vergleichsverhandlung. Wir haben nie eine Vergleichsverhandlung gehabt.

Dann haben sie die Rechnung korrigiert auf Lieferung von Dokumenten, aber die Unterlagen waren immer noch nicht da. Und dann hat mich Samy Singer angerufen im Zimmer und hat gesagt:

“Ardi, wir kennen uns schon seit 20 Jahren, du warst mit dem Herrn Fuchs im Kindergarten. Du hast die Unterlagen gesehen, glaubst du, dass wir dich betrügen wollen?”

Da greift er natürlich auf alte Banden, auf Freundschaften. Und da habe ich gesagt: Nein, das glaube ich natürlich nicht.

Und dann sagte ich zu Frau Wolff: Frau Wolff, überweisen Sie das Geld. Die Unterlagen, wie er sagt, kommen in den nächsten Tagen mit der Post.

Ja, dann haben wir das Geld überwiesen. Und dann kam nichts mehr.

Singer habe auf einmal gesagt, er habe mit der Sache nichts zu tun. Der Prokurist Dr. Alexander Koblischek habe sich verleumden lassen.

Dann stellte Ardi Goldman seinen Freund Fuchs zur Rede:

Michi, es kann doch nicht sein, dass ihr mich mit eurem großen Betrieb wegen 100.000 Euro betrügen wollt.

Du hast doch mit mir das ausgemacht, hast doch gesagt, ich soll da irgendwas machen, damit ihr Geld bekommt. Jetzt habe ich irgendwas gemacht.

Michael Fuchs soll darauf geantwortet haben:

Ja keine Ahnung, das weiß ich jetzt nicht, was ihr ausgemacht habt. Ich habe damit nichts zu tun.

Wie es weiterging, schildert Ardi Goldman so:

Ja, dann haben wir irgendwann Zivil-Klage eingereicht. Und dann haben die Anwälte der RFR geschrieben, es war nie geplant, uns Unterlagen zu geben.

Den ersten Prozess haben wir gewonnen, den zweiten nicht.

Das ist mir unverständlich, weil die Richterin gesagt hat, ja einer von den beiden lügt. Das ist ein Fall für den Staatsanwalt. Weil, wenn Herr Goldman die Wahrheit sagt, dann begehen Sie ja hier Prozessbetrug.

Als die Richterin etwas von einem Monacovergleich sagte, sei Ardi Goldman etwas laut geworden:

Was heißt hier interner Vergleich? Da steht eine Rechnung. Da steht Lieferung von Unterlagen. Da steht nichts anderes.

Ardi Goldman wollte das Glas der Freundschaft nicht zerbrechen, aber er fühlte sich betrogen und stellte Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft.

Samuel Singer habe anschließend mehrfach bei Ardi Goldman angerufen und gebeten, die Anzeige zurückzunehmen, vorher könne er nicht reden, das sei etwas Juristisches. Er würde dann auch als Zeuge zur Verfügung stehen.

Ardi Goldman sagte ihm beim letzten Gespräch:

Ja, Samy, was heißt denn das? Rede doch jetzt mit mir, dann nehme ich die Anzeige gegen dich zurück, wenn du damit nichts zu tun hast!

Samuel Singer soll geantwortet haben:

Ich habe damit nichts zu tun.

Ardi Goldman ist dann der Kragen geplatzt und sagte ihm:

Pass mal auf! Du hast bei mir angerufen! Du hast das Geld angefordert! Du hast den ganzen Deal betreut!

Was heißt, du hast damit nichts zu tun? Soll das ein Witz sein?

Ihr habt zwei Sachen begangen. Ihr habt mich betrogen. Und ihr habt Prozessbetrug begangen.

Samuel Singer soll zurückgefragt haben:

Wieso Prozessbetrug?

Ardi Goldman:

Weil ihr ausgesagt habt, ihr wolltet es nie machen, ihr wolltet mir die Unterlagen nie geben. Es gibt noch lauter, lauter E-Mails dazu, lauter Besprechungen, lauter Telefonanrufe.

Ardi Goldman zieht nach 6 Jahren Streit folgendes Zwischenfazit:

Also was für mich so enttäuschend ist, ich meine, wir reden hier von einer Gesellschaft. Und der Singer ist ja nicht nur, wie nennt er sich, Generalbevollmächtigter, er macht ja auch eigene Geschäfte.

Das sind Leute, die einen haben Immobilien in Milliardenhöhen, und der andere in zwei- bis dreistelliger Millionenhöhe.

Und dann betrügen sie einen Freund um Hunderttausend Euro!

Ardi Goldman ist im Nachhinein froh, dass er das Quartier Marterial Arts MA behalten und nicht in die Hände von RFR gegeben hat. Er hat für sich selbst eine Finanzierung gefunden. “Ich mache drei Kreuze, dass ich die Immobilie nicht an die verkauft habe!” Nun denn…