Investmentclub18. Juli 2013 | 16:59 | Lesedauer ca. 18 min | Autor: GoMoPa-Redakteur AJ

Wie gründet man einen eigenen Investmentclub?


Sie möchten sich unabhängig machen von Finanz- und Vermögensberatern, Banken und sonstigen Finanzhaien? Sie haben genug von hohen Gebühren, schlechter Beratung und Standardprodukten, die vor allem dem Emittenten nutzen? Doch Ihr Kapital reicht nicht aus, um effektiv an der Börse zu spekulieren. Sie sind nicht allein mit der Problematik! GoMoPa präsentiert eine Alternative zu klassischen Anlageprodukten: Investmentclub.

 

Doch was sind Investmentclubs? Welche Vorteile bieten sie? Wie gründet man einen Investmentclub? Was gibt es bei Investitionen in Investmentclubs zu beachten?

Investmentclubs, auch Aktienclubs, Wertpapierclubs oder Anlegerclubs genannt, sind aus privaten Anlegern bestehende Vereinigungen, die das Ziel der gemeinsamen Geldanlage verfolgen. Sie stellen für Gründer eine interessante Möglichkeit dar, größere Summen an Geld zu akquirieren und es mithilfe des gemeinsamen Wissenspools für seine Anleger rentabel in Aktien anzulegen.

Die Einstiegshürden sind gering. Die meisten Investmentclubs sind in ihrer Gesellschaftsform lediglich als GbR unterwegs. Dafür ist noch nicht einmal ein schriftlicher Gesellschaftsvertrag vonnöten. Eine GbR existiert gemäß den Bestimmungen §§ 705 – 740 BGB schon, wenn sich mehrere Personen zur Förderung eines gemeinsamen Zwecks zusammenschließen. Ein Eintrag ins Handelsregister ist nicht nötig. Der Gesellschaftsvertrag kann grundsätzlich formlos, also auch stillschweigend abgeschlossen werden.

Geschichte des Investmentclub

 

Schon 1898 wurde der erste Investmentclub ins Leben gerufen. Der amerikanische Farmer Mr. Brooks erkannte damals das schnelle Wachstum der Industrie. Er wollte teilhaben und an der Börse spekulieren. Doch dazu war er selbst zu kapitalschwach. Also überredete er Freunde und Nachbarn gemeinsam zu investieren. Sein Grundgedanke war nicht nur, dass man im Zusammenschluss mehr Geld aufbringt, sondern auch, dass die diversen Ansichten und Vorschläge aus unterschiedlichen Meinungen innerhalb einer Gruppe einen Vorteil darstellen. Schließlich überlegt man gemeinsam, wie das Kapital profitabel anlegt wird.

Laut DSW, der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz e.V., selbsternannter Repräsentant der Investmentclubs seit 1963, gibt es allein in Deutschland mittlerweile über 7.000 solcher Clubs. Der Vorteil für Anleger: aufgrund des engen Kreises und des gemeinsamen Agierens und Wissensaustausches sinkt die Schwelle für den “Otto-Normal-Verbraucher” sich mit Themen wie Börse, Aktien und Anlagestrategien und deren Zusammenhängen auseinanderzusetzen. Somit steigen die Chancen auch für Neulinge sich wertvolles Wissen anzueignen, mit geringen Einsätzen ein attraktives Investmentportfolio und auf diese Weise z.B. eine zusätzliche Altersvorsorge aufzubauen.

Breites Anlagespektrum

 

Unterschieden wird dabei nach regionalen und überregionalen Clubs. Bei den regionalen Clubs kennt man sich zumeist untereinander. Überregionale Clubs sind weiniger persönlich und verfügen über teils hunderte von Mitgliedern. Im Gegensatz zu Investitionen in Fonds, die mit relativ hohen Mindesteinlagen und Gebühren behaftet sind, bietet ein Investmentclub die Möglichkeit durch die Zusammenführung der Einzelsummen der Anleger das benötigte Geld aufzubringen. Weitere Vorteile von Investmentclubs liegen in der Risikostreuung und der Gebührenoptimierung. Denn die meisten Banken berechnen diese degressiv über die Einkaufsmenge.

Das Berufs- und demographische Spektrum vieler Investmentclubs ist derart unterschiedlich und breit, dass genau dieser Aspekt von vielen Mitgliedern im Endeffekt ebenfalls als großer Vorteil von Investmentclubs angesehen wird. So schreibt die GWW, ein ehemaliger Investmentclub aus Wiesbaden, auf Ihrer Webseite: “Gerade die berufliche Vielfalt und die mit dem unterschiedlichen Lebensalter verbundenen Lebenserfahrungen tragen wesentlich dazu bei, Investitionsentscheidungen aus verschiedenen Blickwinkeln beurteilen zu können.” Auch Frau Henrike
von Platen, die Geschäftsführerin des Investmentclubs “Hexensabbat”, bestätigt diesen Aspekt in Ihrem Interview mit GoMoPa.net.

Investmentclubs – die Allzweckwaffe

In unseren Artikeln “Der Traum von der eigenen Bank” und “Für 4.500 Euro eine Schweden-Bank gründen” gingen wir bereits darauf ein, wie man durch eine geschickte Konstruktion und unter Zuhilfenahme bzw. Einbindung eines Investmentclubs sogar den Status einer internationalen Bank erlangen kann, ohne dabei die hohen gesetzlichen Anforderungen des Staates wie die Einbringung eines hohen Mindestgründungskapitals, den Anschluss an teure Wirtschaftsprüfungsgesellschaften oder eine Überwachung durch die BaFin und die Zentralbank zu erfüllen. Denn Schon in Bertold Brechts Groschenoper heißt es: “Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?”.
Leider boten aber genau diese Verflechtungen mithilfe von Investmentclubs in der Vergangenheit auch eine Grundlage für den ein oder anderen Betrüger und Abzocker. In den beiden Artikeln “Das neue Phantom der Marbella Connection” und “K1-Direktor Frerichs: 300 Millionen versenkt, aber Haftverschonung” berichtete der Finanznachrichtendienst GoMoPa bereits über gewisse dubiose Machenschaften und die illegale Verwendung von Investmentclubs.

Die Gründung eines Investmentclubs



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