Die Nürnberger Kreditbesorgerin ALGEBO.eu wurde in 2 Instanzen zu Schadensersatz von über 300.000 Euro verurteilt. Wir fragten Sieger und Verlierer.

Die Hamburger Kanzlei Björn Wrase (Foto Rechtsanwalt Björn Wrase) hat letztes Jahr für eine Firma, die auf ein Kreditmärchen aus Dubai hereingefallen ist, am Oberlandesgericht Nürnberg über 300.000 Euro Schadensersatz gegen die Finanzierungs-Maklerfirma ALGEBO Wirtschaftsberatungsgesellschaft mbH aus Nürnberg (ALGEBO.eu) erstritten (Aktenzeichen: 2 U 779/21).

Rechtsanwalt Diplomjurist Björn Wrase aus der Hamburger HafenCity erstritt vor dem OLG Nürnberg Schadensersatz gegen ALGEBO © Kanzlei Wrase

Auf die Märchenerzähler über einen Kredit aus Dubai fielen wohl in den vergangenen drei Jahren mindestens 30 deutsche Unternehmer mit einem geschätzten Vorkosten-Gesamtschaden von bis zu 14 Millionen Euro herein, wie ein Informant, der im Auftrag von Geschädigten recherchierte, auf GoMoPa.io berichtete.

Die Staatsanwaltschaft Kaiserslautern hat zum Komplex Kredit-Märchen aus Dubai (Vereinigte Arabische Emirate) ein großes Ermittlungsverfahren eingeleitet und spricht von einem „Betrug in Millionenhöhe“.

Die Strafermittlungsbehörde aus Rheinland-Pfalz sucht seit dem 27. Juli 2022 öffentlich nach Zeugen: “Hinweise nimmt die Polizei Kaiserslautern unter der Telefonnummer 0631 369-2620 oder per E-Mail unter [email protected] entgegen.”

Update vom 22. August 2022: Kaiserslautern ist nicht für den Themenkomplex ALGEBO zuständig

 
Kriminalkommissar Stefan Brewi von der Kriminaldirektion Kaiserslautern, Zentrale Kriminalinspektion, K14 teilte uns heute mit,dass die Staatsanwaltschaft Kaiserslautern beziehungsweise Polizei Kaiserslautern den Themenkomplex ‘ALGEBO’ nicht bearbeitet.”
 
KOK Brewi weiter: “Da sich bei uns vermehrt Geschädigte und Zeugen der ‘ALGEBO’ bei uns melden, bitte ich darum, Ihren Artikel, welcher sich mit unserem Zeugenaufruf und unserem Sachverhalt (Emirates Holding, The Emirates Net und andere), aber auch mit der ‘ALGEBO’ befasst, inhaltlich und optisch deutlicher voneinander zu trennen und bestenfalls richtig zustellen beziehungsweise auf die Änderung hinzuweisen.”

Mit Widerspruchsklausel Schadensersatz gewonnen

ALGEBO-Firmensitz Am Schwedengraben 6 in Nürnberg © Google streetview 2009

GoMoPa wollte von Rechtsanwalt Björn Wrase wissen: Mit welchem Argument konnten Sie die zweite Instanz überzeugen, ALGEBO (Foto vom Firmensitz Am Schwedengraben 6 in Nürnberg Google streetview) doch noch zur Rückzahlung von über 300.000 Euro zu verurteilen?

Rechtsanwalt Björn Wrase: „Das Verfahren wurde sowohl vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth als auch vor dem Oberlandesgericht in Nürnberg gewonnen. Dies zur Klarstellung, da sie in Ihrer ersten Frage ausgeführt haben, weshalb das Verfahren vor den OLG doch noch gewonnen wurde. Gegenstand des Verfahrens war die – wie in jedem Vertrag der ALGEBO wohl üblich – sogenannte ‚basic fee‘. Aufgrund der konkreten Vertragsgestaltung seitens Algebo und der Verhaltens der Mandantschaft konnten sowohl das Landgericht als auch Oberlandesgericht davon überzeugt werden, das der Mandantschaft ein vertragliches Widerrufsrecht eingeräumt wurde. Da sich unmittelbar nach dem Vertragsschluss, der Zahlung der ‚basic fee‘ und dem Verhalten der ALGEBO herausstellte, dass weitere Entgelte bezahlt werden sollten, bevor es dann tatsächlich zu einer Kreditvermittlung kommen sollte, hat der Mandant von dem vertraglich eingeräumten Widerrufsrecht Gebrauch gemacht. Innerhalb des Verfahrens konnte dieser Anspruch letztendlich durchgesetzt werden.

Sofern also potenziell Geschädigte innerhalb des Vertrages ein Widerrufsrecht vereinbart haben, sollten Rückzahlungsansprüche aufgrund der erwirkten Entscheidung des OLG Nürnberg effektiv durchgesetzt werden können. Grundsätzlich kommt es allerdings stets auf die Umstände des Einzelfalls an.“

GoMoPa: Wer hat in Ihrem Fall die Firma ALGEBO vertreten? Herr Thomas Leitner (58) aus Nürnberg? Welche Rolle konnten Sie Thomas Leitner und gegebenenfalls seinem Kooperationspartner Siegfried Günter (34) aus Klingelbach (Rheinland-Pfalz) zuschreiben?