Als GoMoPa vor drei Jahren von dem Kupferkabel-Lieferanten Penell GmbH aus dem hessischen Ober-Ramstadt (Bahnhofstraße 32) wissen wollte, wie der angebliche Firmenschatz von 7,3 Millionen Euro an Kupferkabel plötzlich bis auf einen kläglichen Rest von 10 Prozent bei einer Inventur verschwinden konnte, hatte der Pennel-Finanzchef und zugleich Firmensprecher Reinhard Halbgewachs nach 53 Sekunden und dem Satz “Dazu gibt es keine Stellungnahme” einfach aufgelegt.

 

Dabei war der angebliche Kupferkabelschatz, den es in Wirklichkeit gar nicht gab, laut einem Gutachten des Berliner Treuhänders msw gmbH Wirtschaftsprüfgesellschaft aus der Straße des 17. Juni 106-108 aus Charlottenburg gleich doppelt verpfändet worden:

1. Laut einem Sicherungsübereignungsvertrag vom April 2013 war das angeblich millionenschwere Kupferkabel-Warenlager zugunsten der Genossenschaftsbank DZ Bank ausgestellt worden, bei der die Penell GmbH mit 2,2 Millionen Euro verschuldet war.

 

 

Werbung für die Penell-AnleiheKurt Penell (58, rechts) aus dem hessichen Ober-Ramstadt gab vor vier Jahren gegenüber dem Berliner ... mehrKurt Penell (58, rechts) aus dem hessichen Ober-Ramstadt gab vor vier Jahren gegenüber dem Berliner Treuhänder msw gmbH zu, dass die Zahlen der Kupferkabelbestände “nach oben korrigiert” worden waren, die als Sicherheit für eine 2014 unter anderem an der Düsseldorfer Börse platzierte Mittelstandsanleihe mit fünf Jahren Laufzeit und einem Jahreszins von 7,75 Prozent deklariert worden waren © Youtube Penell GmbH Firmenvideo 2013

 

Mehrheitsbesellschafter und Geschäftsführer Kurt Penell (58) beteuerte noch im Mai 2014:

Um es klar zu sagen, Penell wird es auch ohne Anleihe weiter geben. Uns geht das Geld nicht aus.

Wir wollen mit dem Geld einfach flexibler sein.

 

Werbung der Penell GmbH mit Firmensitz

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Am 2. Februar 2015 meldete Kurt Penell beim Amtsgericht Dortmund für die Penell GmbH Insolvenz an. Das Insolvenzverfahren wurde am 27. März 2015 eröffnet und der Frankfurter Rechtsanwalt Jan Markus Platzner als Insvolvenzverwalter eingesetzt. Aktenzeichen: 9 IN 105/15.

Bei einer Inventur Ende 2014, nur ein halbes Jahr nach Auflage der Anleihe, flog der mutzmassliche Schwindel auf. Laut msw-Gutachten war tatsächlich nur ein Firmeninventar von rund 2,4 Millionen Euro vorhanden, wovon auf Kupferkabel lediglich 620.000 Euro entfielen.

Firmenchef Kurt Penell geriet unter Druck – und gestand den msw-Treuhändern laut Gutachten, dass die Zahlen “nach oben korrigiert” worden waren.

Laut msw sollen Penell-Mitarbeiter nachträglich Inventurlisten ergänzt haben, um Bestände aufzubauschen. Die Bilanzen wurden vom Hamburger Wirtschaftsprüfer TPW GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Steuerberatungsgesellschaft testiert.

Die Prüfer wollten sich zu dem Mandat nicht äußern.

Mit den mutmaßlichen Bilanzfälschungen sollen die Penells über Jahre ihre Verluste kaschiert haben, so der msw-Bericht: Während das Unternehmen in seinen Bilanzen stets Gewinn ausweist, soll Penell ab dem Jahr 2012 tatsächlich rote Zahlen schreiben.

Allein im Jahr der Anleihe-Emission zwischen April und Dezember 2014 fiel laut Berechnungen des Treuhänders msw ein Verlust von rund fünf Millionen Euro an.

Trotzdem gönnten die Penells sich laut msw ein ordentliches Gehalt: Rund 316.000 Euro flossen 2014 an drei Mitglieder der Familie.

Die Staatsanwaltschaft Dortmund nahm anfang 2015 Ermittlungen wegen Betrugsverdachts auf.

Nun folgt der Strafprozess.

Ab dem 10. Januar 2019 müssen sich die beiden geschäftsführenden Gesellschafter der Penell GmbH, Kurt Penell und seine Mutter Waltraud Penell (83) aus Ober-Ramstadt, vor der 9. Großen Strafkammer am Landgericht Dortmund verantworten. Die Verhandlung beginnt um 9:30 Uhr im Saal 4.

Fortsetzungstermine: 17.01., 24.01., 31.01., 07.02., 14.02., 21.02., 28.02., 05.03., 07.03., 14.03., 21.03. und 28.03.2019, ebenfalls jeweils 09.30 Uhr, Saal 4.

Der Vorwurf lautet: Betrug.

Der Tatort ist der Firmensitz: Ober-Ramstadt.

Verhandelt wird eine Tatzeit von Mai 2014 bis Februar 2015.