Kaum hatte der Münchner Handelsimmobilien-Investor FCR Immobilien AG den Rest seiner fünften Unternehmens-Anleihe “5,25 % Schuld-Verschreibung 2019/2024” im Januar 2020 eingesackt, wird nun im März gleich mal die sechste Anleihe wieder für fünf Jahre und wieder in Höhe von 30 Millionen Euro nachgeschoben, dieses Mal allerdings nur mit einem Jahreszins von 4,25 Prozent.

 

Mehrheitsaktionär (66,1 Prozent) und Alleinvorstand Falk Raudies (45) aus München braucht das Anlegergeld, damit seine Objektgesellschaften, an die er das Geld weiterreicht, ein ausreichendes Eigenkapital darstellen können, um Kredite zum Kauf von Handelsimmobilien von Banken zu bekommen.

Kaufmann Raudies verspricht zwar, dass die FCR Anleihen im Grundbuch abgesichert werden.

Aber erstens stehen die Banken immer im Rang davor. Und außerdem wird die Luft laut den vorliegenden Zahlen ganz schön dünn.

Denn laut dem Prospekt für die neue Anleihe “4,25 % Unternehmensanleihe 2020/2025” vom 6. März 2020 sieht es zum Stichtag 1. Juli 2019 so aus:

An Anleihen schuldet die FCR Immobilien AG rund 54 Millionen Euro. An Krediten rund 117 Millionen Euro. Insgesamt rund 181 Millionen Euro. Zum selben Stichtag verfügte die FCR Immobilien AG aber nur über 64 Immobilien und Grundstücke mit einer Nutzfläche von 306.000 Quadratmetern und mit einem Wert von lediglich 177 Millionen Euro. 4 Millionen Euro zu wenig, um alle Anleihen- und Bankschulden grundbuchlich abzusichern.

Falk Raudies bietet daher noch zusätzlich als Sicherheit die Hälfte des Jahresgewinnes an.

Der geprüfte Überschuss für das Jahr 2018 betrug für die FCR-Immobilien-Gruppe rund 1,4 Millionen Euro (Vorjahr rund 975.000).

Über die FCR Immobilien AG Geschäfte (Handelsimmobilien aus Notsituationen erwerben, optimieren, verkaufen – und frühere Anleihen auslösen) sollen ausgerechnet die Aufsichtsräte Professor Dr. Franz-Joseph Busse, Professor Dr. Kurt Faltlhauser und Frank F. wachen:

 

Eine Farce.

Nicht ohne Grund hört die Vita von Aufsichtsrat Frank F. im Prospekt im Jahr 2011 einfach auf. Auf der Firmenhomepage wird auf eine detaillierte Vita gleich ganz verzichtet.

Der ehemalige Fussballprofi Frank F. (71) aus München sitzt seit 2014 im Aufsichtsrat der FCR Immobilien AG.

Er fungierte von 1998 bis 2018 als Alleingesellschafter des Finanz- und Versicherungsvermittlers NTC Nürnberger Treuhand-Conzept GmbH, über dessen Vermögen im selben Jahr 2014 ein Insolvenzverfahren beim Amtsgericht München eröffnet und Rechtsanwalt Rolf Pohlmann aus München als Insolvenzverwalter eingesetzt wurde, Aktenzeichen: 1504 IN 3697/13.

In diesem Zusammenhang soll Frank F. nach Recherchen von Red Alpha Research von der Staatsanwaltschaft wegen Untreue und Insolvenzverschleppung angeklagt worden sein. Um eine Vorstrafe zu vermeiden, soll er Ende 2018 zugestimmt haben, das Verfahren nach § 153a gegen eine Geldstrafe von 25.000 Euro einzustellen.

Frank F. agierte zudem zeitweise (ab 2016) als Aufsichtsratsvorsitzender der Oil & Gas Invest AG (OGI AG), einer Öl-und Gas-Explorationsgesellschaft mit Sitz in Frankfurt am Main.

500 Anleger überwiesen der OGI AG 58 Millionen Euro als Nachranddarlehen, Unternehmensanleihen und Wandelschuldverschreibungen.

Die eingesammelten Gelder sollten der Wieberbelebung verwaister Ölquellen zunächst in Mississippi und Alabama dienen.

Doch das Unternehmen stellte am 31. August 2018 einen Antrag auf Insolvenz, das Amtsgericht Frankfurt eröffnete am selben Tag ein vorläufiges Insolvenzverfahren und setzte als vorläufigen Insolvenzverwalter Rechtsanwalt Frank Schmitt aus Frankfurt ein, Aktenzeichen: 810 IN 1009/18 O.

Auch auf der Website des Eagles Charity Golf Clubs e.V. aus Neubiberg bei München, in dem neben Frank F. als Gründer und Präsident auch FCR-Vorstand Falk Raudies Mitglied ist, werden die Stationen bei NTC und OGI im Lebenslauf jedoch nicht erwähnt.

Der FCR-Wertpapierprospekt von April 2019 für die fünfte Anleihe ignoriert sämtliche Tätigkeiten von Frrank F. nach 2011. Zudem findet sich dort auf Seite 87 die fragwürdige Aussage, kein Aufsichtsrats-Mitglied sei “in den letzten fünf Jahren […] an einer Insolvenz, einer Insolvenzverwaltung oder Liquidation beteiligt” gewesen.

Ähnliches bekundet der neue Wertpapierprospekt vom 6. März 2020. Dort heißt es auf Seit 122: