Die German Pellets GmbH aus Wismar in Mecklenburg-Vorpommern hat gestern einen Antrag auf Eigeninsolvenz gestellt. Diesen lehnte das Gericht ab und bestellte die Hamburger White & Case-Partnerin Dr. Bettina Schmudde zur vorläufigen Insolvenzverwalterin. Das bestätigte White & Case auf JUVE-Anfrage. Damit ist der Plan von German Pellets gescheitert, sich unter der Aufsicht eines Sachwalters zu sanieren.

 

Angesichts der verschachtelten Konzernstruktur hatten Insolvenzspezialisten ohnehin bezweifelt, dass eine Insolvenz in Eigenverwaltung sinnvoll ist.

Als vorübergehender Geschäftsführer wurde der Münchner Restrukturierungsspezialist Frank Günther von der Beratungsgesellschaft One Square Advisors eingesetzt. Soweit bekannt, berät Günther, der kein Anwalt ist, German Pellets seit einiger Zeit. In der Vergangenheit war er in vielen Unternehmenskrisen als Interessenvertreter von Anleihegläubigern unterwegs.

 

Pellet Werk der German Pellets GruppePellet Werk der German Pellets Gruppe

 

German Pellets wollte am liebsten die Insolvenzmasse unter Aufsicht eines Sachwalters selbst verwalten. Rechtsanwalt Marc Gericke von der Siegburger Kanzlei Göddecke Rechtsanwälte hielt die Eigenverwaltung für “eine weitere Täuschung der Anleihengläubiger”, die dem Unternehmen insgesamt 226 Millionen Euro geliehen haben.

German Pellets macht aus Sägespänen und Baumstämmen Holzpellets für Heizungen und finanzierte sich über Anleihen. Alle Anleihen sind seit gestern vom Handel ausgesetzt.

Mit einer 100-Millionen-Euro-Anleihe vom November 2014 sollten die Gläubiger einer 80-Millionen-Euro-Anleihe aus dem Jahr 2011 befriedigt werden, deren Rückzahlung in einer Resthöhe von rund 52 Millionen Euro am 8. März 2016 anstand. Wie der Finanznachrichtendienst GoMoPa.net berichtete sollte die Rückzahlung um zwei Jahre gestreckt, die Zinsen um zwei Punkte auf 5,25 Prozent im Jahr gesenkt und zur Sicherheit 50 Prozent der Firma an die Gläubiger übertrage werden. Doch statt dieser vorgeschlagenen Aufwertung der Anleihe, über die die Gläubiger gestern abstimmen sollten, kam der Eigeninsolvenzantrag.

Der Schritt zur Eigeninsolvenz soll nach Handelsblatt-Informationen allerdings auf Initiative des Sanierungsexperten Frank Günther von der Münchener Agentur One Square Advisors geschehen sein, die German Pellets seit einiger Zeit berät.

Etliche Gläubiger sträubten sich gegen die Eigeninsolvenz, weil der Verursacher der Finanzmisere Peter Leibold (59), der das Unternehmen 2005 gründete, nachdem er ein Sägewerk geleitet hat, weiterhin mit am Ruder wäre.