Aleia7. April 2017 | 11:21 | Lesedauer ca. 4 min | Autor: GoMoPa-Redakteur JS

Aleia Holding AG: Kann ein hässliches Entlein ein Schwan werden?


Die Umbenennung der Bebra Biogas Holding AG vor knapp einem Jahr in Aleia Holding AG und der Umzug vom Dortmunder Hafen (Kanalstraße 25) ins Hamburger Regus Business Center (Kurze Mühren 1) macht aus einem hässlichen Entlein noch keinen schönen Schwan.

 

Solange das Skandalduo Dr. Dirk Neupert als Vorstandsvorsitzender und Aufsichtsratschef Marco Romswinkel weiterhin am Ruder sind, klebt die unschöne Vergangenheit wie Teer am Unternehmen.

Die beiden hinterließen nicht nur wachsende Bilanzverluste bei dem Biogasanlagenhersteller Bebra (von rund minus 1,328 Millionen Euro im Jahr 2014 auf rund minus 2,6 Millionen Euro im Jahr 2015).

Sie sorgten als Führungsduo beim Mutterkonzern, der inzwischen ebenfalls vom Dortmunder Hafen nach Hamburg umgezogenen Envio AG, für die größte Chlorgiftstaubkatastrophe (Verseuchung mit krebserregenden Polychlorierten Biphenylen, PCB) in der Geschichte der Bundesrepublik. Envio AG hatte den Auftrag, Transformatoren von PCB zu reinigen.

Die Genehmigung sah vor, dass nur gereinigte beziehungsweise gering belastete Transformatorenteile den Schwarzbereich (Sperrbereich) verlassen durften. PCB-haltige Fraktionen sollten ordnungsgemäß entsorgt werden. Mehrere Begehungen im Frühjahr 2010 zeigten, dass massiv gegen die Genehmigungsauflagen verstoßen wurde.

Im Prozess in Dortmund wegen “fahrlässiger oder vorsätzlicher Körperverletzung” (Anklage) gegen Envio-Manager, weil bei Mitarbeitern um das 25-Fache überschrittene PCB-Blutwerte gemessen wurden, erklärten die Anwälte von Dr. Neupert zu Prozessbeginn im Mai 2012, die erhöhte PCB-Belastung lasse sich “plausibel mit ungesunden Lebensstilfaktoren” der betroffenen Mitarbeiter erklären.

Dieser Version widersprachen die ehemaligen Beschäftigten allerdings vehement. Ein ehemaliger Schichtleiter sagte Anfang März 2013 aus, dass die Firma mit der Zahl der Aufträge nicht hinterhergekommen sei und dass das kontaminierte Material oft nur im Schnellverfahren gereinigt worden sei, ohne dass die Mitarbeiter hinterher sicher waren, ob diese sauber waren.

Zudem sei kontaminiertes Material in “Nacht- und Nebelaktionen” vor Kontrollen durch Behörden oder die Feuerwehr versteckt worden. Auch andere Zeugen berichteten während des Prozesses von einem äußerst laxen Umgang mit Sicherheitsvorschriften bei der Envio AG.

Im Juli 2010 erfolgte eine Umbenennung der Biogas-Sparte des Unternehmens in Bebra Biogas GmbH. In Bezug auf die Umbenennung der Biogas-Sparte des Unternehmens vermutete Andrew Murphy, Chef des Bonner Investmenthauses Murphy& Spitz, gegenüber “Dem Westen” , dass Teile der AG “ausgeweidet” werden könnten, bevor ihre Werthaltigkeit im Rahmen eines Insolvenzverfahrens der AG den Geschädigten des Giftstaubskandals zugutekäme.

Teile des Konzerns, nämlich die für die Entsorgung der PCB-haltigen Geräte verantwortliche Envio Recycling-GmbH & Co. KG sowie die Envio Germany Geschäftsführungs-GmbH, gingen im Oktober 2010 in die Insolvenz.

Auch der Umsatz der Bebra Biogas Holding AG sank von rund 2,91 Millionen Euro im Jahr 2014 auf rund 1,698 Millionen Euro im Jahr 2015.

Die Rettung sollte nun die Sacheinlage des Vertriebs-Kooperationspartners EMS PLUS POWER AG aus Lingen (Ems) in Niedersachsen bringen:

 




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