Immobilieninvestor Adi Keizman (48) gehörte in Israel zu den Lieblingen der Yellow-Presse, seit er mit seiner ersten Frau Ofra Strauss 2005 für fünf Jahre in eine der vermögensten Familien Israels einheiratete.

 

Adi Keizman hat nun Israel verlassen. Seit März 2020 befindet er sich mit seiner jetzigen Frau, dem Topmodel Esti Ginzburg, und Kind in Los Angeles in den USA. Laut Eigenaussage will er dort neue Immobiliengeschäfte aufziehen.

Ab 2011 hatte Keizmans Unternehmensgruppe Mietshäuser in Deutschland aufgekauft. Im Internet wurden die Immobilien präsentiert – die meisten in Berlin, aber auch in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Beteiligungen an rund 50 Immobilien. Allein in Berlin etwa 40 Mietshäuser mit mehr als 1.500 Wohnungen.

Der Kern der Unternehmensgruppe, die A.D.O. Holdings Limited in Tel Aviv und deren Tochter A.D.O. Property Holdings GmbH in Wien Währingerstraße 2-4/1/48 sind direkt oder indirekt an Gesellschaften beteiligt, die ihren Sitz in den Steuerparadiesen Zypern und Gibraltar haben.

Für jedes erworbene Haus wurde eine eigene deutsche Firma gegründet.

Der Vorteil am EU-Land Zypern:

 

Unkomplizierter Geldtransfer, Unternehmen zahlen nur etwas über 10 Prozent Körperschaftssteuer, Gewinne, die in Deutschland erzielt werden und zypriotischen Gesellschaften zugewiesen werden, sind steuerfrei. Unternehmen in Deutschland zahlen im Durchschnitt auf ihre Gewinne 31 Prozent Unternehmenssteuern (durchschnittlich 15 Prozent Körperschaftssteuer und 16 Prozent Gewerbesteuer).

Bis Mitte 2019 kümmerte sich die 2011 gegründeten Berlin Aspire Construction GmbH in der Guineastraße 38 in Berlin Wedding mit Sales Office in der Friedrichstraße 82 in Berlin Mitte um die Verwaltung der Immobilien.

Doch im Juni 2019 gingen die Geschäfte der Aspire auf die erst einen Monat zuvor gegründete Grand Urban Immobilien Group GUIG GmbH aus der Brandenburgischen Straße 86/86 in Berlin Wilmersdorf über. Alleininhaber und Geschäftsführer ist Guy Ben Edelsburg (43) aus Berlin Mitte. Die Berlin Aspire Gruppe selbst befindet sich in Abwicklung.

Im Frühjahr 2020 soll Adi Keizman knapp die Hälfte seiner Anteile an A.D.O. Holdings abgegeben haben.

Eine PR-Agentur teilte im Auftrag von Adi Keizman der Berliner Zeitung mit:

Herr Keizman hat sich entschieden, seine Firma wegen gesetzlicher Änderungen in Berlin zu verkaufen.

Tatsächlich firmierte er bereits Gesellschaften um und löste ganze Geschäftsbereiche in Berlin auf. Der Teil der Gruppe, der sich um die Verwaltung der Immobilien kümmerte, existiert nicht mehr.

Die Kanzlei, die mit der Liquidation beauftragt ist, teilte auf Anfrage mit:

Es handelt sich mithin nur noch um einen leeren Geschäftsmantel.

Keizman stieß mindestens die Hälfte seiner Anteile ab und verkaufte an Moshe Bar Shilton, einen Unternehmer, über den nicht viel bekannt ist, außer einer Adresse in Georgien und dass er auch Duty-Free-Shops von Botschaften und Kreuzfahrtschiffen mit Waren beliefern soll.

Die Anleger, die mittlerweile um ihr Geld bangen, sollten sich nun an Moshe Bar Shilton wenden, schreibt die Agentur.

Sein Berliner Immobilienimperium fliegt dem Spekulanten Keizman kräftig um die Ohren.

 

Der Berliner Rechtsanwalt Christian Winkhaus von der Kanzlei Schirp &?&nbspPartner Rechtsanwälte mbB am Leipziger Platz 9?&nbspin Berlin Mitte hat bei der Staatsanwaltschaft Berlin Strafanzeige gegen Adi Keizman wegen Betruges gestellt. Der Anwalt vertritt auch zivilrechtlich etliche Berliner Mieter, die Keizman mit einem ungleich höheren Erst-Kauf-Angebot für ihre alte Mietwohnung als gegenüber israelischen Investoren systematisch hinters Licht geführt haben soll. Die Benachteiligung geht in den jeweiligen Einzelfällen bis zu 80.000 Euro. Insgesamt geht es um Millionen.

Anwalt Winkhaus sagte gegenüber ZDFinfo / Frontal21:

Wo sich Herr Keizman aufhält, spielt für uns keine Rolle. Er scheint, auf der Flucht zu sein. Das wird ihm nur wenige Wochen bringen.Letztendlich werden auch ausländische Behörden gegen ihn vorgehen.

Seitdem sind Adi Keizman und seine Unternehmen für Pressanfragen nicht mehr erreichbar. Auf Pressfragen haben sie nicht reagiert.

Bei Keizmans Geschäftsmasche, Mietshäuser mit möglichst sozialschwachen Mietern in leergezogene Eigentumswohnungen (kleiner Anreiz für die Altmieter: Umzugsprämie) zur lukrativen Neuvermietung oder noch lukrativeren Kurzzeitvermietung mit 25 Euro Warmmiete pro Quadratmeter Wohnfläche umzuwandeln, musste er nach deutschem Recht den Altmietern ein Erst-Kaufrecht einräumen. Das tat Keizman auch. Doch zu einem Preis, den die deutschen Altmieter nie gezahlt hätten, wiel sie die meist vernachlässigten Häuser ja bestens kannten.

Den Kleinanlegern im fernen Israel hingegen konnte Keizman vermutlich auch mit Hilfe von Photoshop einen Zustand vorspiegeln, den es nicht gegeben haben soll. Mancher deutsche Miete wunderte sich beim Anblick seines Hauses auf der Website von Adi Keizman, dass sein Miets-Haus da plötzlich Balkone mit Blumenkästen hatte.

Keizman bot den israelischen Kleinanlegern in Berlin Eigentumswohnungen mit mindestens 8 bis 10 Prozent Rendite an und zahlte für die ersten drei Jahre eine Garantie-Rendite von 5 Prozent aus, also 15 Prozent. Sein Büro im Zentrum von Tel Aviv nannte es ein Rundum-Sorglos-Paket. Mit Altmietern lassen sich aber keine großen Gewinne machen. Deshalb sollen sie weichen.

Eine Keizman-Mitarbeiterin versprach ZDFinfo-Reportern bei einem Testbesuch mit versteckter Kamera:

Wir bieten Ihnen eine Sicherheit für drei Jahre mit einer Rendite zwischen drei und fünf Prozent, je nach Gebäude. Und in diesen drei Jahren arbeiten wir daran, die Mieter loszuwerden.

In den drei Jahren sprechen wir mit den Mietern und bieten ihnen eine Entschädigung an, wenn sie ausziehen. Dann haben Sie das Problem nicht mehr, dass es einen Mieter gibt, der Sie einschränkt. Sie könnten die Wohnung dann alle drei Monate neu vermieten.

Mietpreisbremse? Gilt nicht für möblierte Wohnungen. Zweckentfremdungs-Verbot? Gilt nicht, wenn der Besitzer im Ausland wohnt. Vorkaufsrecht der Altmieter? Ja, und da stolperte Adi Keizman dann doch über eine bislang geheime Zusatzvereinbarung, die er nur auf Hebräisch seinen potentiellen Wohnungskäufern in Isral anbot, nicht aber auch den deutschen Altmietern. Die Staatsanwaltschaft Berlin prüft nun.

Diesselbe Wohnung in der Stephanstraße 52 in Berlin Moabit, die er einem Altmieter in Berlin für 400.000 Euro anbot, der natürlich bei diesem Preis nicht kaufte, bot er einem israelischen Kleinanleger für lediglich 340.000 Euro an. Israelis schöpfen auch deshalb wenig Verdacht, weil Wohnungen in Israel von Hause aus vergleichsweise sehr teuer sind. Und bei der in Aussicht gestellten Altersvorsorge-Rendite von mindestens 8 Prozent konnten die Kleinanleger in Israel nur jubeln, die Immobilienrendite in Israel liegt für Anleger bei 3 Prozent.

Die ungleichen Angebote der Wohnungen sind nach deutschen Recht eine verbotene Benachteiligung, gegen die der Berliner Rechtsanwalt nun die Staatsanwaltschaft ins Spiel brachte.